Das Molina Guitar Duo — Isabella Selder und Santiago Molina Gimbernat — kam mit einem ungewöhnlichen Projekt in unser Studio: eigenen Bearbeitungen für zwei Gitarren von Werken, die Manuel María Ponce ursprünglich für Klavier schrieb. Mehr über eine Hälfte des Duos liest du in unserem Profil von Isabella Selder, die für unseren Kanal auch Barrios' Choro da Saudade aufgenommen hat.
Das Programm
Das Konzert durchläuft vier Stücke: das Preludio y fuga sobre un tema de Händel, gefolgt von Minueto, Pavana und Gavota. Drei der vier Titel verweisen auf das achtzehnte Jahrhundert, und darin liegt der Schlüssel zum Programm: Das ist Ponce im neoklassizistischen Modus, der Tanzformen und Kontrapunkt in einer modernen harmonischen Sprache schreibt.
Das Preludio y fuga ist das anspruchsvollste davon. Eine Fuge auf zwei Gitarren ist eine unnachsichtige Prüfung — jede Stimme muss unterscheidbar bleiben, Einsätze müssen geformt werden, und beide Spieler müssen als ein kontrapunktischer Geist denken statt als Melodie und Begleitung.
Warum sich Ponce gut überträgt
Manuel María Ponce (1882–1948) war jener mexikanische Komponist, der zu einem der engsten Mitarbeiter von Andrés Segovia wurde und für ihn Sonaten, Variationen und das Concierto del sur schrieb. Der größte Teil seines Schaffens galt jedoch dem Klavier — und Gitarristen bedienen sich seither still daran.
Sein Klaviersatz passt zur Gitarre, weil er in Texturen denkt: klare melodische Linien über durchsichtiger Begleitung, Harmonik, die färbt statt füllt. Auf zwei Gitarren ist genug Raum, all das hörbar zu halten — genau das, was eine Solobearbeitung meist opfern muss. Unser Ponce-Repertoire-Guide und unser Porträt des Komponisten behandeln die Werke, die er für das Instrument selbst geschrieben hat.
Sechs Gitarren in einem Konzert
Das Duo wechselt für jedes Stück die Instrumente, was das Recital in einen Vergleich sehr unterschiedlicher Bauphilosophien verwandelt. Es beginnt auf einem Paar Siccas Luthiers Synthesis Doubletop, einmal Zeder, einmal Fichte. Das Minueto erklingt auf Gitarren von Antonio Marchese und Sebastiano Fracasso. Für Pavana und Gavota greifen sie zu zwei Instrumenten von José Luis Romanillos — einer „La Violeta“ von 1984 und einer „La Casada“ von 1983 — jenem in Spanien geborenen englischen Gitarrenbauer, dessen Instrumente zu den feinsten des späten zwanzigsten Jahrhunderts zählen. Mehr in unserem Artikel über José Luis Romanillos.
Das Konzert
Weitere Ensembles findest du in unseren Profilen von Duo Melis und dem Amadeus Guitar Duo, mehr Repertoire in unserer Übersicht der berühmten klassischen Gitarrenstücke.





