Die montenegrinische Gitarristin Nadja Grdinic spielt La Catedral von Agustín Barrios Mangoré — und sie spielt es zweimal, auf zwei sehr verschiedenen Instrumenten: einer José Rubio von 1965 und einer brandneuen Doubletop von Charalampos Koumridis aus 2025. Wenige Stücke legen den Charakter einer Gitarre so schonungslos offen wie dieses.
Über La Catedral
La Catedral ist das Stück, über das die meisten Gitarristen zum ersten Mal zu Barrios finden. Seine drei Sätze führen von einem ruhigen, singenden Preludio über ein choralhaftes Andante religioso in ein unerbittliches Allegro solemne, und zusammengehalten wird das Ganze von einer einzigen Idee: dem Klang einer Kathedrale, zuerst von außen gehört, dann von innen, dann im Trubel der Straße danach. Die Ecksätze verlangen absolute Gleichmäßigkeit in der rechten Hand, der Mittelsatz das Gegenteil davon — eine Legatolinie, die nie gezupft klingen darf.
Ausführlich haben wir das Werk in unserem Artikel über La Catedral als Meisterwerk des Gitarrenrepertoires betrachtet, und unser Barrios-Guide versammelt die übrigen Werke, die du kennen solltest.
Über Agustín Barrios
Barrios, 1885 in Paraguay geboren, war der erste Gitarrist, der Schallplatten aufnahm, und ein Komponist, dessen Werkverzeichnis von südamerikanischen Volksformen bis zu Studien reicht, die ihre Bewunderung für Bach offen zeigen. Jahrzehntelang lebte seine Musik am Rand des Konzertrepertoires, heute steht sie in dessen Mitte. Unser Porträt von Agustín Barrios zeichnet diesen Weg nach.
Die beiden Gitarren
Die José Rubio Nr. 61 von 1965 trägt eine Fichtendecke mit Schellackpolitur, 650 mm Mensur und Landstorfer-Mechaniken. Der Name auf dem Zettel ist der Künstlername von David Rubio, der in Spanien als Flamencogitarrist arbeitete, bevor er zum Gitarrenbau kam — und der die Instrumente baute, die Julian Bream ab Mitte der sechziger Jahre spielte.
Ihr gegenüber steht die Charalampos Koumridis 2025 Doubletop Nr. 282: Zederndecke über Boden und Zargen aus Cocobolo, 650 mm Mensur, Mechaniken von Klaus Scheller. Koumridis ist ein autodidaktischer griechischer Gitarrenbauer, der seine erste Gitarre für seine Tochter baute und heute in drei Modellreihen arbeitet: traditionell, Lattice und Doubletop. Was die beiden Instrumente konstruktiv trennt, erklärt unser Guide zu Fächerbalken, Doubletop und Lattice.
Die Aufnahme ansehen
In anderem Repertoire hörst du Nadja Grdinic in unserem Artikel über ihre Aufnahme von Cavatina von Stanley Myers. Das gesamte Repertoire findest du in unserer Übersicht berühmter Gitarrenwerke.





