Über weite Teile des 20. Jahrhunderts war die Musik von Agustín Barrios Mangoré (1885–1944) ein Geheimnis jener Gitarristen, die Bescheid wussten. Heute ist das Repertoire ohne ihn nicht mehr vorstellbar. Der Paraguayer war jene seltene Erscheinung — ein Virtuose, der zugleich ein genialer Komponist war —, und der Gitarrist John Williams nannte ihn unter anderen den größten aller Komponisten für das Instrument. Sein später Ruhm ist eine der erfreulichsten Geschichten der Gitarrengeschichte.
Ein Leben quer durch einen Kontinent
In Paraguay geboren, verbrachte Barrios seine Laufbahn als reisender Virtuose durch Lateinamerika — Argentinien, Brasilien, Uruguay und später Mittelamerika — zu einer Zeit, als das lange, beschwerliche Reisen und ungewisses Publikum bedeutete. Er war ein gebildeter, neugieriger Mann, mehrerer Sprachen mächtig und in Dichtung und Philosophie bewandert, und eine Zeit lang trat er in indigener Kleidung unter dem Namen „Nitsuga Mangoré" auf (Nitsuga ist Agustín rückwärts). 1944 starb er in El Salvador, in Amerika bewundert, in Europa noch weitgehend unbekannt.
Der erste Gitarrist auf Tonträger
Barrios kommt eine echte historische Auszeichnung zu: Er war der erste Klassikgitarrist, der umfangreiche Aufnahmen machte, und brachte sein Spiel bereits in den 1910er-Jahren auf Platte. Diese kratzigen alten Aufnahmen bewahren nicht nur seine erstaunliche eigene Technik, sondern den Klang einer ganzen Epoche — und sie erinnern daran, dass er ein Interpret allerersten Ranges war, nicht bloß ein Komponist.
Seine zentralen Werke
- La Catedral — sein berühmtestes Werk, eine dreisätzige Beschwörung einer Kathedrale, die von einem stillen Vorspiel über einen feierlichen langsamen Satz zu einem dahineilenden Finale führt. Unser Artikel dazu →
- Un Sueño en la Floresta — ein „Traum im Wald", berühmt für sein schimmerndes, getragenes Tremolo.
- Julia Florida — eine sanfte Barcarole von großer Zartheit.
- Las Abejas, Vals op. 8 Nr. 4 und Una Limosna por el Amor de Dios — weitere geliebte Eckpfeiler.
Sein Stil
Barrios' Musik verbindet die romantischen und Salon-Traditionen, die er erbte, mit den Volksrhythmen und Melodien seines südamerikanischen Heimatkontinents. Das Ergebnis ist Musik von unmittelbarer emotionaler Wärme — lyrisch, gesanglich und idiomatisch, geschrieben von einem Mann, der das Instrument von innen kannte. Sie kann technisch fordernd sein, klingt aber nie wie eine Übung; sie klingt immer wie Gesang.
Wo du die Noten bekommst
Barrios starb 1944, in den meisten Ländern ist seine Musik also inzwischen gemeinfrei und frei verfügbar — siehe unseren Ratgeber zu Gratis-Noten für Klassikgitarre.
Häufige Fragen
Woher kam Barrios?
Aus Paraguay; er tourte durch ganz Lateinamerika und starb 1944 in El Salvador.
Was ist sein berühmtestes Stück?
La Catedral, gefolgt von Un Sueño en la Floresta und Julia Florida.
Warum ist er historisch bedeutend?
Er war der erste Klassikgitarrist mit umfangreichen Aufnahmen und einer der größten Komponisten des Instruments.
Lies über La Catedral, oder sieh dir unsere klassischen Gitarren an →
Werke im Detail
Dieser Artikel ist Teil unseres Repertoire-Leitfadens für die klassische Gitarre. Siehe auch Manuel Ponce und Astor Piazzolla.





