Francisco Simplicio 1931 No. 343

Francisco Simplicio 1931 Nr. 343

Kürzlich wurde eine Gitarre mit diesem Etikett von der Galerie des Luthiers in Lyon, Frankreich, angeboten. Das Instrument wirft mehrere Fragen auf, die der folgende Text zu klären versucht.

Francisco Simplicio: Meistergitarrenbauer aus Barcelona

Francisco Simplicio (1874–1932) zählt zu den bedeutendsten klassischen Gitarrenbauern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Er wurde in Barcelona geboren und arbeitete dort sein gesamtes Leben. Seine Ausbildung erhielt er bei Enrique García; später verband ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem gefeierten Gitarristen Miguel Llobet, dessen hohe künstlerische Ansprüche Simplicios handwerkliche Entwicklung nachhaltig prägten. Simplicio entwickelte eine unverwechselbare ästhetische Handschrift, die in der Torres-Tradition wurzelte und dennoch durch eigene dekorative und konstruktive Elemente bereichert wurde.

Seine Gitarren werden heute für ihre tonale Klarheit, warme Projektion und außergewöhnliche Verarbeitung geschätzt. Kopfplatten, Rosetten und Stege seiner Instrumente sind auf den ersten Blick erkennbar: Sie verbinden funktionale Präzision mit einer fast juwelierartigen Liebe zum ornamentalen Detail. Simplicio arbeitete in Barcelona während seiner gesamten Karriere und fertigte Instrumente, die von führenden Interpreten seiner Zeit begehrt wurden. Er verstarb unerwartet am 14. Januar 1932, womit sein direktes schöpferisches Werk abrupt endete.

Wenn du mehr über die großen Interpreten erfahren möchtest, die auf solchen historischen Instrumenten gespielt haben, findest du in unserem Artikel über große klassische Gitarristen wertvolle Hintergrundinformationen.

Die Gitarre Nr. 343 von 1931: Echtheit und Einordnung

Zunächst steht fest: Die Gitarre ist zweifelsfrei ein Originalinstrument von Francisco Simplicio, gebaut im letzten Jahr seiner Tätigkeit als Guitarrero. Die dekorativen Elemente — Kopfplattenform, Rosette und Steg — entsprechen eng denen der Gitarre FS 1931, Nr. 327, die von Milanese und Piazza in Francisco Simplicio Luthier (Edizioni Il Dialogo, Mailand 2010, Seite 255) dokumentiert wurde. Diese Übereinstimmung belegt, dass das Instrument fest in Simplicios Spätwerk verwurzelt ist und mit seinen bekannten Arbeiten aus dem Jahr 1931 übereinstimmt.

Verarbeitungsqualität, Materialwahl und handwerkliche Ausführung sind vollständig charakteristisch für Simplicios Werkstatt auf dem Höhepunkt ihrer Aktivität. Es wurden keine wesentlichen Abweichungen von seinen bewährten Methoden festgestellt, die die Zuschreibung in Frage stellen könnten.

Die Werkstatt-Nachfolge: Francisco und Miguel Simplicio

Um die Nummerierung dieser Gitarre zu verstehen, ist ein kurzer Blick auf die Geschichte der Werkstatt notwendig. Francisco und Miguel Simplicio arbeiteten zwischen 1923 und 1931 gemeinsam. Nach aktuellem Wissensstand ist die letzte von Francisco Simplicio persönlich signierte und nummerierte Gitarre die Nr. 336 aus dem Jahr 1931.

Ab 1932 führte sein Sohn Miguel Simplicio die Nummerierung fort und erreichte Nr. 342. Da beide Handwerker in diesen letzten Jahren eng zusammenarbeiteten, ist es naheliegend anzunehmen, dass zum Zeitpunkt von Franciscos Tod mindestens sechs Instrumente in verschiedenen Fertigungsstadien verblieben. Miguel Simplicio setzte daher die Nummerierung seines Vaters bis Nr. 342 von 1932 fort — der letzten bekannten Gitarre aus der Werkstatt.

So ist zum Beispiel Nr. 338 aus dem Jahr 1932, nun von Miguel Simplicio signiert, in Alberto Martínez' Publikation Classical Guitars in Life Size (Camino Verde, Paris 2018) beschrieben. Gitarre Nr. 342 findet sich ebenfalls im Buch von Milanese und Piazza auf Seite 258. Diese dokumentierten Beispiele belegen eine kohärente Abfolge und bilden den Rahmen, vor dem die anomale Nummer 343 bewertet werden muss.

Die Nummer 343: Eine wahrscheinliche Zahlenverwechslung

Die Bezeichnung 343 entspricht weder dem Jahr 1931 noch Franciscos Autograph auf die gleiche Weise wie die umliegenden Nummern. Eine plausible Erklärung könnte eine Ziffernvertauschung sein. Es ist möglich, dass Francisco beabsichtigte, 334 zu schreiben, stattdessen jedoch versehentlich 343 eintrug — ein Fehler, der in anderen Kontexten nicht ungewöhnlich ist und in den letzten arbeitsreichen Monaten einer aktiven Werkstatt leicht übersehen werden konnte.

Diese Hypothese erklärt auch, warum bis heute keine Gitarre mit der Nummer 334 von Francisco Simplicio aufgetaucht ist. Das Fehlen der Nr. 334 im bekannten Korpus, kombiniert mit dem Vorhandensein einer Gitarre mit der transponierten Nummer 343, liefert indirekte, aber schlüssige Unterstützung für diese Interpretation. Diese Anmerkungen sind ausschließlich als mögliche Erklärung zu verstehen — zumindest so lange, bis eine Gitarre mit der Nummer 334 entdeckt wird oder weitere Belege auftauchen.

Historische Bedeutung der späten Simplicio-Gitarren

Gitarren aus Simplicios letzten Jahren — 1930 und 1931 — stellen den vollständigsten Ausdruck seines Könnens dar. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Stimmtechniken, seine Holzauswahl und seine dekorative Sprache zu einem kohärenten und sofort erkennbaren Stil verdichtet. Instrumente aus dieser Periode gehören zu den begehrtesten bei Sammlern und ernsthaften Spielern weltweit.

Das Überleben einer Gitarre von 1931, ungeachtet ihrer genauen Nummer, ist ein bemerkenswertes Ereignis. Nur sehr wenige Simplicio-Instrumente aus dieser Spätphase sind in spielbarem Zustand erhalten, und noch weniger kommen mit klarer Provenienz auf den Markt. Die wissenschaftliche Arbeit von Milanese, Piazza und Martínez war unverzichtbar für die Erstellung des dokumentarischen Fundus, anhand dessen einzelne Instrumente bewertet werden können.

Wenn du historische Konzertgitarren von außergewöhnlichem Rang kennenlernen möchtest, findest du in unserer Kollektion klassischer Gitarren Instrumente mit herausragendem handwerklichen Erbe. Wer sich für Klangeigenschaften interessiert, kann außerdem den Vergleich zwischen Fichten- und Zederndecken vertiefen — eine Unterscheidung, die auch für frühe Gitarrenbauer wie Simplicio von zentraler Bedeutung war.

Für einen breiteren Kontext über das Repertoire, für das diese Instrumente gebaut wurden, empfehlen sich unsere Artikel über Francisco Tárrega und berühmte Gitarrenstücke, die die musikalische Welt beschreiben, in der Simplicio wirkte.

Karlstein, 8. Januar 2023
Siegfried „Hogi" Hogenmüller

Den Originalartikel findest du hier: PDF ansehen

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