Das Capricho Árabe — mit dem Untertitel Serenata — gehört zu den beliebtesten Werken, die Francisco Tárrega je komponiert hat: ein Gitarrenstück, das die maurische Welt Südspaniens zugleich über Melodie, Harmonik und Textur heraufbeschwört. Es entstand um 1888 und ist dem spanischen Komponisten Tomás Bretón gewidmet. Als Tárrega 1909 starb, spielten es drei verschiedene Ensembles in seinem Trauerzug.
Die maurische Atmosphäre
Tárrega schrieb das Stück, während er in Valencia lebte — einer Stadt, die jahrhundertelang von der Durchdringung islamischer, kastilischer und christlicher Kultur geprägt war. Die Einleitung ruft die Melodik nahöstlicher Musik auf, mit Skalen und Verzierungen, die den Klang einer Kultur jenseits der Pyrenäen tragen. Durchgehend nimmt die Gitarre eine fast orchestrale Qualität an: Der Bass liefert die stützende Begleitung, während die Oberstimmen eine ausdrucksvolle, singende Melodie führen. Dunkle Moll-Passagen wechseln mit wärmeren Dur-Abschnitten, und das Ganze behält einen fließenden, improvisatorischen Zug — als entstünde es im Moment, statt vom Blatt gelesen zu werden.
Die Musik
Das Stück steht in d-Moll und verlangt Drop-D-Stimmung. Es folgt einer AABA-Form mit ausgedehnter Einleitung. Der B-Teil hebt sich kurz nach F-Dur und D-Dur, bevor er in die dunklere Grundtonart zurückkehrt. Die technischen Anforderungen liegen zwischen mittelschwer und fortgeschritten: Das Stück verlangt Legatotechnik, Fingerunabhängigkeit für die geschichtete Harmonik, feine dynamische Kontrolle und ein ausdrucksvolles Timing, das den improvisatorischen Charakter am Leben hält.
Aufgeführt bei Siccas Guitars
Das Spiel
Das Capricho Árabe dankt es einem Gitarristen, der den improvisatorischen Zug über das ganze Stück hält — der die Melodie über der Begleitung schweben lässt, statt sich durch die Noten zu drücken. Plötzliche Pianissimo-Momente, gefolgt von vollstimmigen Akkorden, sind zentral für die Dramatik des Stücks.
Siehe den vollständigen Tárrega-Leitfaden und Recuerdos de la Alhambra.





