Akustik vs. klassische Gitarre: 7 entscheidende Unterschiede erklärt
Du stehst im Gitarrenladen — oder scrollst durch Seiten voller Instrumente — und eine Frage lässt dich nicht los: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Akustikgitarre und einer klassischen Gitarre? Sind das nicht einfach zwei Namen für dasselbe Instrument? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die ausführliche Antwort findest du in diesem Artikel.
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Die Frage „Akustik oder klassische Gitarre?" ist wichtiger, als viele Anfänger ahnen. Wer das falsche Instrument für seine Ziele wählt, bremst seinen Fortschritt, belastet die Fingerkuppen unnötig und wird früher oder später frustriert. Wer das richtige wählt, legt den Grundstein für ein Leben mit Musik.
Im Folgenden erklären wir jeden wesentlichen Unterschied zwischen Akustik- und klassischer Gitarre — von den Saiten und dem Hals bis hin zu Klang, Technik und Repertoire — damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst.
1. Die Saiten: Der wichtigste Unterschied überhaupt
Der grundlegendste Unterschied zwischen Akustik- und klassischer Gitarre liegt in den Saiten.
Klassische Gitarren haben Nylonsaiten. Die drei Diskantsaiten (E, H, G) bestehen aus massivem Nylon-Monofilament. Die drei Basssaiten (E, A, D) haben einen Nylonkern, der mit versilbertem Kupferdraht umsponnen ist. Nylonsaiten erzeugen einen warmen, weichen, runden Klang und sind deutlich sanfter zu den Fingerkuppen. Sie haben eine geringere Saitenspannung als Stahlsaiten — das Greifen und das Bilden von Akkorden fällt damit spürbar leichter, besonders für Einsteiger.
Akustikgitarren haben Stahlsaiten. Diese erzeugen einen helleren, lauteren und durchsetzungsfähigeren Klang mit dem charakteristischen Twang, der zu Folk, Country, Singer-Songwriter, Bluegrass und Pop passt. Stahlsaiten sind allerdings deutlich härter für die Finger. Anfänger brauchen oft mehrere Wochen, bis sich Hornhaut gebildet hat. Außerdem ist die Saitenspannung erheblich höher, weshalb der Hals mit einem Stahlstab (Truss Rod) verstärkt werden muss — etwas, das klassische Gitarren nicht benötigen.
Dieser Unterschied bei den Saiten zieht sich durch fast alle anderen Punkte dieser Liste. Bringe niemals Stahlsaiten auf eine klassische Gitarre. Die erhöhte Spannung kann den Hals verbiegen, die Stegplatte ablösen und strukturelle Schäden verursachen, die teuer oder gar nicht reparierbar sind.
2. Der Hals: Breite, Profil und Gefühl
Wenn du eine klassische Gitarre und eine Akustikgitarre nacheinander in die Hand nimmst, wirst du den Unterschied sofort spüren.
Klassische Gitarren haben breitere Hälse. Eine typische klassische Gitarre hat eine Sattelbreite von 52 mm (manche Gitarrenbauer gehen bis 54 mm). Diese zusätzliche Breite gibt jedem Finger mehr Platz — sie ist unverzichtbar für die rechtshandige Fingerpicktechnik der klassischen Gitarre, bei der Daumen und drei Finger stets unabhängig voneinander arbeiten.
Akustikgitarren haben schmalere Hälse — in der Regel zwischen 42 und 44 mm am Sattel. Das macht Barré-Akkorde deutlich einfacher und eignet sich gut für Strumming-Stile und akkordbasiertes Spiel.
Klassische Gitarren haben außerdem ein flaches (oder sehr leicht gewölbtes) Griffbrett, während die meisten Akustikgitarren ein stärker gebogenes (radiusiertes) Griffbrett haben. Wo der Hals auf den Korpus trifft, gibt es ebenfalls einen Unterschied: Bei klassischen Gitarren ist das meist am 12. Bund, bei Akustikgitarren am 14. Bund — was den Zugang zu hohen Lagen erleichtert.
3. Der Korpus: Form, Beleistung und Bauweise
Klassische Gitarren sind in der Regel kleiner und leichter als ihre Stahl-Akustik-Verwandten. Die Korpusform ähnelt dem sogenannten Concert-Stil — eine ausgeprägte Taille, ausgewogene Ober- und Unterbucht und eine relativ flache Tiefe. Diese Bauweise maximiert die Resonanz der leichteren Nylonsaiten und macht das Instrument in der klassischen Sitzhaltung bequem zu halten.
Stahl-Akustikgitarren gibt es in einer Vielzahl von Formen: Dreadnought, Orchestra Model (OM), Concert, Auditorium, Jumbo und Parlour, um nur einige zu nennen. Dreadnoughts sind die häufigste große Form und erzeugen den lautesten, vollsten Klang. Parlour-Gitarren sind klein und intim, in der Größe einer klassischen Gitarre ähnlicher.
Auch die interne Beleistung unterscheidet sich. Klassische Gitarren verwenden traditionell eine Fächerleistung (oder Gitterbeleistung bei fortgeschrittenen Modellen), die für die geringere Saitenspannung und den Nylonsaiten-Ton optimiert ist. Akustikgitarren verwenden X-Leistung oder Varianten davon, die der höheren Spannung der Stahlsaiten standhalten. Wenn du wissen möchtest, wie das Deckenholz den Klang beeinflusst, erklärt unser Leitfaden zu Fichte vs. Zeder bei klassischen Gitarren die Unterschiede im Detail.
4. Der Steg
Schau dir den Steg beider Gitarrentypen genau an — auch hier fällt ein wichtiger struktureller Unterschied auf.
Klassische Gitarren haben einen Anknüpfsteg. Die Saiten werden durch Löcher im Steg gefädelt und festgeknotet. Es gibt keine Stegpins. Dieses Design eignet sich gut für Nylonsaiten, die eine glatte Oberfläche haben und mit Pins schwer zu fixieren wären.
Stahl-Akustikgitarren verwenden ein Stegpin-System. Das Ende jeder Saite sitzt in einem Loch und wird von einem kleinen Kunststoff- oder Knochenpin gehalten. Dieses System lässt sich schneller und einfacher besaiten — was wichtig ist, da Stahlsaiten bei intensivem Spiel häufiger reißen als Nylonsaiten.
5. Klang und Projektion
Der Klangunterschied zwischen Akustik- und klassischer Gitarre ist dramatisch und sofort erkennbar.
Der Klang der klassischen Gitarre ist warm, nuancenreich und reich an Obertönen. Die Nylonsaiten und die fächerbeleuchtete Fichten- oder Zederndecke erzeugen zusammen einen Klang, der auf feinste Variationen im Anschlag der rechten Hand reagiert. Ein versierter klassischer Gitarrist kann eine enorme Bandbreite an Klangfarben erzeugen — von einem hellen, glasartigen Sul-ponticello-Ton (nahe am Steg) bis hin zu einem dunklen, samtigen Tasto-Ton (über dem Schallloch). Die Sustain ist lang, der Abklang grazil. Die Gesamtlautstärke ist jedoch moderat — klassische Gitarren sind keine verstärkten Instrumente von Natur aus.
Der Klang der Stahl-Akustikgitarre ist heller, lauter und perkussiver. Der Anschlag ist schärfer, die Note klingt mit mehr Präsenz in den Mitten und Höhen. Das macht die Akustikgitarre ideal für Rhythmusspiel, Strumming und das Durchsetzen im Mix mit anderen Instrumenten.
6. Spieltechnik
Hier wird der Unterschied zwischen klassischer Gitarre und Akustikgitarre am deutlichsten — und hat die größten Konsequenzen für Lernende.
Klassische Gitarrentechnik ist ein vollständiges System, das über Jahrhunderte entwickelt wurde. Die Gitarre wird aufrecht in einer bestimmten Sitzhaltung gehalten, gestützt von einem Fußschemel oder einem Gitarrenaufsatz. Die rechte Hand zupft die Saiten mit Fleisch und Nagel der Fingerkuppen (Daumen und drei Finger, abgekürzt p, i, m, a). Plektren werden in der klassischen Technik nie verwendet. Die linke Hand greift die Saiten und navigiert durch alle Lagen des Halses. Beide Hände arbeiten mit extremer Unabhängigkeit und Präzision. Diese Technik braucht Jahre zur richtigen Entwicklung und wird am besten bei einem qualifizierten Lehrer erlernt.
Akustikgitarrentechnik ist vielfältiger. Die meisten Akustikspieler verwenden ein Plektrum zum Strumming und manchmal für Einzelnoten-Leads. Fingerpicking ist ebenfalls verbreitet, besonders in Folk- und Fingerstyle-Genres, ist aber im Allgemeinen weniger komplex als klassische Technik.
Wenn du die Werke von Francisco Tárrega, Agustín Barrios oder Johann Sebastian Bach auf der Gitarre spielen möchtest, sind eine klassische Gitarre und die klassische Technik keine Option — sie sind das einzig geeignete Werkzeug für diese Aufgabe.
7. Repertoire und musikalischer Kontext
Das für jedes Instrument geschriebene Repertoire ist weitgehend eigenständig.
Das Repertoire der klassischen Gitarre umspannt fünf Jahrhunderte, von Renaissance-Lautentranskriptionen bis hin zu Konzertwerken des 20. Jahrhunderts. Es umfasst Solostücke, Konzerte, Kammermusik und Liedbegleitungen. Werke wie Recuerdos de la Alhambra, La Catedral und das Concierto de Aranjuez sind spezifisch für die klassische Gitarre geschrieben.
Das Repertoire der Akustikgitarre schöpft aus populären Traditionen: Folk, Blues, Country, Singer-Songwriter, Bluegrass und Indie. Es gibt natürlich Überschneidungen, aber für die meisten Lernenden sollten Genre und Repertoire-Ziele ein wichtiger Faktor bei der Instrumentenwahl sein.
Welche Gitarre passt zu dir?
Wähle eine klassische Gitarre, wenn...
- Du klassische Technik und Repertoire erlernen möchtest
- Du absoluter Anfänger bist und das sanftere Gefühl von Nylonsaiten bevorzugst
- Du dich für Flamenco-Musik begeisterst (schau dir unsere Flamenco-Gitarren an)
- Du kleinere Hände hast oder für ein Kind kaufst
- Du auf strukturierte, theoriebasierte Weise Musik lernen möchtest
- Du die breiteste Klangpalette eines Soloinstruments suchst
Wähle eine Stahl-Akustikgitarre, wenn...
- Du Folk, Country, Pop, Blues oder Singer-Songwriter-Musik spielen möchtest
- Du vor allem singen und Akkorde strummen möchtest
- Du ein lauteres Instrument suchst, das sich in informellen Umgebungen gut durchsetzt
- Du den hellen, punchigen Sound von Stahlsaiten bevorzugst
- Du die meiste Zeit mit einem Plektrum spielen möchtest
Wenn du noch unentschlossen bist, bietet unsere klassische Gitarren-Kollektion Instrumente für jede Erfahrungsstufe — von Schülermodellen bis hin zu Konzert-Gitarren führender Gitarrenbauer.
Häufige Fragen
Kann ich Akustikgitarren-Songs auf einer klassischen Gitarre spielen?
Ja, in vielen Fällen. Einfache akkordbasierte Songs lassen sich mit einigen Anpassungen auf der klassischen Gitarre spielen. Der Klang wird jedoch spürbar anders sein — wärmer und leiser. Strumming mit einem Plektrum wird auf einer Nylonsaiten-Gitarre nicht empfohlen, da das Plektrum die Saiten beschädigen und einen harten Klang erzeugen kann.
Kann ich klassische Stücke auf einer Akustikgitarre spielen?
Einfachere klassische Stücke können auf einer Stahl-Akustikgitarre gespielt werden, aber der Klang wird grundlegend anders sein. Für das vollständige klassische Gitarrenerlebnis und den authentischen Klang des Repertoires ist eine klassische Gitarre das richtige Instrument.
Was ist leichter zu lernen — klassisch oder akustisch?
Keine der beiden ist von Natur aus „leichter" auf lange Sicht, aber kurzfristig sind Nylonsaiten sanfter zu den Fingerkuppen. Klassische Technik ist jedoch anspruchsvoller und erfordert strukturiertes Lernen. Akkordbasiertes Akustikspiel kann für viele Anfänger schneller befriedigende Ergebnisse liefern. Mehr dazu in unserem Leitfaden: Wie lange braucht man, um klassische Gitarre zu lernen?
Sind klassische Gitarren gut für Anfänger?
Ja. Eine qualitativ hochwertige klassische Gitarre auf Schülerniveau ist ein ausgezeichnetes erstes Instrument. Die weichen Nylonsaiten reduzieren Fingerschmerzen, der breitere Hals hilft dabei, benachbarte Saiten beim Akkordüben nicht versehentlich zu dämpfen, und der strukturierte Lernpfad für klassische Gitarre ist gut entwickelt und weit verbreitet gelehrt.
Sind klassische Gitarren kleiner?
Vollwertige klassische Gitarren sind im Allgemeinen etwas kleiner und leichter als vollwertige Stahl-Akustikgitarren. Klassische Gitarren sind auch in Bruchteilen erhältlich (1/4, 1/2, 3/4), die ideal für Kinder sind.
Fazit
Der Unterschied zwischen klassischer und akustischer Gitarre geht weit über die Bezeichnung auf dem Instrument hinaus. Saiten, Halsbreite, Korpusbau, Beleistung, Stegdesign, Technik und Repertoire unterscheiden sich alle auf bedeutsame Weise. Diese Unterschiede zu verstehen, bevor du kaufst, ist der wichtigste Schritt, den du als neuer Gitarrist unternehmen kannst.
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