Beatriz Pinto – vom Straßenfest in Aveiro auf die Konzertbühne
Beatriz Pinto gehört zu jener Generation portugiesischer Gitarristinnen und Gitarristen, die sich derzeit in ganz Europa Gehör verschafft. Geboren am 4. Oktober 2004, hat sie vor ihrem einundzwanzigsten Geburtstag mehr als 25 internationale Preise gesammelt und studiert heute in Deutschland bei einem der angesehensten Lehrer des Instruments.
Eine zufällige Begegnung mit sieben
Ihr Weg zur Gitarre begann durch Zufall. Mit sieben Jahren begegnete sie dem Instrument bei einem Straßenfest in ihrer Nachbarschaft in ihrer Heimatstadt Aveiro — und begann kurz darauf regulären Unterricht bei dem Lehrer João Moita, der sie durch ihre gesamte Schulzeit begleiten sollte.
2013 trat sie in das Conservatório de Música Calouste Gulbenkian de Aveiro ein, wo sie bis zum Abschluss der Sekundarstufe blieb. Das portugiesische Konservatoriumssystem gab ihr ein Jahrzehnt durchgehenden Unterricht bei einem einzigen Lehrer, bevor sie das Land verließ — ein ungebrochenes Fundament, das man ihrem Spiel anhört.
Wettbewerbserfolge
Sie begann mit etwa neun Jahren, Wettbewerbe zu gewinnen. Ihr erster internationaler erster Preis kam 2016 beim Wettbewerb Cidade do Fundão, gefolgt 2017 vom ersten Preis beim luso-spanischen Wettbewerb in Fafe.
2021 war ein außergewöhnliches Jahr: Sie errang Spitzenauszeichnungen beim Concurso Internacional José Tomás in Villa de Petrer, beim Gitarrenwettbewerb in Gandía, bei der King's Peak International Music Competition, der IMKA Internet Music Competition, der World Open Online Music Competition — und gewann beim Online-Wettbewerb Concert Day in Russland sowohl den ersten Preis als auch den Hauptpreis.
2023 kamen die Lagoa-Zé Gregório International Guitar Competition hinzu und im November desselben Jahres in Valencia der erste Preis bei CIGA Jr., der Juniorensparte eines der bedeutenden internationalen Gitarrenwettbewerbe Spaniens.
Jenseits des Wettbewerbsbetriebs
Zwischen 2018 und 2022 trat sie an Spielstätten und bei Festivals in Portugal, Deutschland und Spanien auf. 2022 erreichte sie das Halbfinale von Got Talent Portugal und platzierte sich unter den besten zehn — ein seltener Grenzgang für eine klassische Gitarristin, der das Instrument zu einem Publikum brachte, das nie eine Karte für ein Gitarrenrecital kaufen würde. Sie war zudem im portugiesischen und spanischen Fernsehen zu sehen sowie im portugiesischsprachigen Rundfunk in Kanada.
Studium in Weimar
Pinto studiert heute an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar bei Ricardo Gallén, dem spanischen Gitarristen, dessen Gesamteinspielungen von Bach und Sor ihn zu einer der einflussreichsten Figuren der heutigen Gitarrenpädagogik gemacht haben. Sein Spiel hörst du in unserem Artikel über Gallén mit Albéniz auf einer Hernández y Aguado von 1963, mehr über ihn in unserem Profil von Ricardo Gallén.
Weimar ist zu einem echten Schwerpunkt für junge Gitarristen geworden: Auch Ioanna Kazoglou, ebenfalls Schülerin von Gallén, sammelt aus derselben Klasse heraus internationale Preise.
Repertoire
Als ihr Lieblingsstück nennt Pinto das Capriccio Diabolico von Mario Castelnuovo-Tedesco — die Hommage des Komponisten an Paganini und ein Werk, das Virtuosität ebenso verlangt wie Sinn fürs Theatralische. Unser Artikel über das Capriccio Diabolico betrachtet das Stück im Detail, und unser Porträt von Castelnuovo-Tedesco stellt den Komponisten vor, aus dessen Partnerschaft mit Andrés Segovia nahezu hundert Gitarrenwerke hervorgingen.
Das anspruchsvollste Stück, das sie nach eigener Aussage gespielt hat, ist die Toccata von Joaquín Rodrigo — ein Stück mit ungewöhnlicher Geschichte. Rodrigo schrieb es 1933 für Regino Sainz de la Maza, doch zu Lebzeiten des Komponisten wurde es nie veröffentlicht oder aufgeführt; das Manuskript tauchte Jahrzehnte später im Archiv von Sainz de la Maza auf, und die öffentliche Uraufführung fand erst 2006 in Madrid statt. Der Satz arbeitet an den körperlichen Grenzen des Instruments — deshalb blieb das Werk so lange ungespielt.
Ausblick
Wer mit zwanzig mehr als fünfundzwanzig internationale Preise und einen Platz in einer der führenden Gitarrenklassen Europas vorweisen kann, hat die Frage nach dem Talent bereits beantwortet. Was folgt, ist der schwierigere und interessantere Teil: das langsame Erarbeiten einer eigenen Stimme. Beatriz Pinto ist ein Name, den man sich merken sollte.
Weitere Künstler, die das Instrument heute prägen, findest du in unseren Profilen der großen klassischen Gitarristen.





