Astrid Mertens spielt ein Stück eines Komponisten, dessen Name weit bekannter sein sollte, als er es ist: die Fantasía sobre el Paño, auch El punto de la Habana genannt, von Julián Arcas. Sie spielt es auf einer Doubletop-Gitarre von Antonius Müller aus dem Jahr 2009.
Julián Arcas – das Bindeglied zwischen Torres und Tárrega
Julián Arcas (1832–1882) nimmt in der Gitarrengeschichte eine Stellung ein, die den wenigsten Spielern bewusst ist. Er war ein spanischer Virtuose, der als Solist durch das Land tourte und neben zahlreichen Bearbeitungen mehr als fünfzig eigene Werke für das Instrument schrieb. Doch seine Bedeutung reicht tiefer als sein Werkverzeichnis.
Arcas war einer der Lehrer des jungen Francisco Tárrega in Barcelona in der zweiten Hälfte der 1860er-Jahre — er stand also an der Quelle jener Tradition, aus der die gesamte moderne spanische Schule hervorgeht. Und er arbeitete unmittelbar mit dem Gitarrenbauer Antonio de Torres zusammen und beeinflusste die Deckenkonstruktion jener Instrumente, die zur Vorlage der modernen Konzertgitarre wurden.
Beide Stränge der Gitarre, wie wir sie kennen — ihr Repertoire und ihre äußere Gestalt — laufen durch denselben Mann. Das ist selten, und deshalb ist Arcas mehr als eine Fußnote wert.
Über die Fantasía sobre el Paño
Die Fantasía baut auf einem spanischen Volkslied auf, das eine ungewöhnliche Reichweite hatte. Dieselbe Melodie verwendete Manuel de Falla als El paño moruno, die Eröffnungsnummer seiner Siete canciones populares españolas, und schon Michail Glinka war ihr auf seinen Spanienreisen begegnet.
Arcas behandelt sie in der Manier des neunzehnten Jahrhunderts: Thema und Variationen von zunehmender Brillanz, wobei die Volksmelodie immer wieder durch die Figuration hindurchscheint. Der Habanera-Rhythmus gibt dem Stück seinen Schwung — der zweite Titel verweist auf Havanna und auf den ständigen Austausch von Musik zwischen Spanien und Kuba in jenem Jahrhundert.
Die Gitarre: Antonius Müller, 2009
Antonius Müller ist ein deutscher Gitarrenbauer, dessen Doubletop-Instrumente dafür geschätzt werden, moderne Kraft mit einer warmen, traditionellen Stimme zu verbinden. Die Paarung ist hier bewusst gewählt: spanisches Repertoire des neunzehnten Jahrhunderts auf einem modernen Konzertinstrument, das den Variationen mehr Projektion gibt, als jede Gitarre sie hatte, die Arcas selbst gespielt haben dürfte. Unser Doubletop-Guide erklärt, was die Bauweise beiträgt.
Das Video
Mehr spanisches Repertoire findest du in unserem Artikel über Francisco Tárrega und in unserer Übersicht der berühmten klassischen Gitarrenstücke.





