Wenn Francisco Tárrega der Vater des modernen Gitarrenspiels ist, dann ist Antonio de Torres Jurado (1817–1892) der Vater der modernen Gitarre selbst. Vor Torres war die Gitarre ein kleineres, leiseres, uneinheitlicheres Instrument; nach ihm hatte sie den Korpus, die Proportionen und vor allem den Klang, den wir heute kennen. Nahezu jede in den letzten 150 Jahren gebaute Klassikgitarre — einschließlich der feinsten Konzertinstrumente — ist im Kern ein Nachfahre seines Entwurfs.
Ein Bauer aus Almería
Torres wurde in Almería im Süden Spaniens geboren und kam zum Gitarrenbau, nachdem er als Tischler gearbeitet hatte. Er baute in zwei Hauptperioden — zuerst in Sevilla, wo seine großen Neuerungen Gestalt annahmen, und später zurück in Almería, nach einer Pause vom Handwerk. Er war nie ein wohlhabender Mann, und viele seiner Instrumente waren äußerlich schlicht gebaut; worauf es Torres ankam, war nicht die Verzierung, sondern der Klang.
Die Revolution
Torres' Genie lag im Verständnis dessen, was eine Gitarre wirklich singen lässt. Er vergrößerte den Korpus, legte die Proportionen und die rund 650 mm lange Mensur fest, die Standard geblieben sind, und perfektionierte — am wichtigsten — das System der Fächerbeleistung: ein Muster dünner Holzstreben, die wie ein Fächer unter der Decke verlaufen. So konnte er eine größere, dünnere, ansprechbarere Decke verwenden, die weit mehr Lautstärke, Wärme und Projektion erzeugte als frühere Gitarren. In einer einzigen Konzeption gab er dem Instrument die Kraft, einen Saal zu füllen.
„Alles liegt in der Decke"
Torres hatte eine Überzeugung, die Gitarrenbauer bis heute leitet: dass die Decke mehr als jeder andere Teil die Stimme der Gitarre formt. Berühmt ist, dass er eine Gitarre baute — die „Pappmaché-Gitarre" —, deren Zargen und Boden aus Pappmaché statt aus edlem Holz bestanden, eben um zu beweisen, dass eine großartig klingende Decke das Instrument tragen kann. Die Demonstration wurde legendär, und das Prinzip dahinter liegt dem modernen Gitarrenbau zugrunde.
Sein Vermächtnis
Tárrega spielte eine Torres, und die neue Musik, die er und seine Schüler schrieben, war für den Torres-Klang gedacht. Die großen Bauer des 20. Jahrhunderts — darunter Hermann Hauser — studierten und verfeinerten sein Modell, statt es zu ersetzen. Selbst die kühnsten Neuerungen von heute, von der Gitter- bis zur Doubletop-Bauweise, sind Antworten auf die Frage, die Torres zuerst stellte: wie man einer schwingenden Holzdecke den schönsten, kraftvollsten Klang entlockt.
Häufige Fragen
Warum ist Torres so wichtig?
Er normierte Größe, Proportionen und Fächerbeleistung der Klassikgitarre und schuf die bis heute gültige Vorlage.
Was ist Fächerbeleistung?
Ein fächerförmiges Muster dünner Streben unter der Decke, das die Decke frei schwingen lässt — für mehr Lautstärke und Wärme.
Spielten berühmte Künstler seine Gitarren?
Ja — Tárrega spielte eine Torres, und das moderne Repertoire wurde um den Torres-Klang herum geformt.





