Wenige Komponisten haben eine musikalische Tradition so vollständig verwandelt, wie Astor Piazzolla (1921–1992) den Tango verwandelte. Er nahm die Tanzmusik von Buenos Aires und verschmolz sie mit den Harmonien des Jazz und der Strenge der klassischen Form — und schuf, was man Tango Nuevo nannte: Musik für den Konzertsaal statt fürs Parkett. Obwohl er Bandoneonspieler war, kein Gitarrist, hat seine Musik auf der klassischen Gitarre eine ihrer natürlichsten Heimaten gefunden.
Vom Bandoneon zu Boulanger
Piazzolla wuchs teils in New York auf und lernte als Junge das Bandoneon — das Knopfakkordeon, das die Seele des Tangos ist. Als junger Mann spielte er in den großen Tangoorchestern von Buenos Aires, sehnte sich aber danach, ein ernsthafter Komponist zu sein. Der Wendepunkt kam in Paris, wo er bei der legendären Lehrerin Nadia Boulanger studierte. Die Erzählung besagt, sie habe ihn gedrängt, sein Tango-Ich nicht länger hinter klassischer Nachahmung zu verstecken und die Musik zu schreiben, die wirklich seine war. Das tat er — und der Tango Nuevo war geboren.
Seine Musik auf der Gitarre
- Histoire du Tango — für Flöte und Gitarre geschrieben, ist diese viersätzige Geschichte des Tangos (Bordel 1900, Café 1930, Nightclub 1960, Concert d'aujourd'hui) eines der meistgespielten Kammerwerke des späten 20. Jahrhunderts.
- Cinco Piezas (Fünf Stücke) — sein einziges bedeutendes Werk für Sologitarre, 1980 geschrieben, und ein Eckpfeiler des modernen Repertoires.
- Oblivion und Adiós Nonino — schmerzlich schöne Melodien, unzählige Male für Gitarre solo und Ensemble bearbeitet.
- Libertango — sein berühmtestes Stück, ganz treibender Rhythmus und dunkle Energie.
Warum es zur Gitarre passt
Piazzollas Musik lebt von rhythmischem Biss, gleitender chromatischer Harmonik und langen, klagenden Melodielinien — und die Gitarre kann alle drei liefern. Ihr perkussiver Anschlag fängt den Schnalz des Tangos; ihr Nachklang trägt die singenden Melodien; und ihr harmonischer Reichtum passt zu seinen bittersüßen Akkorden. Piazzolla gut zu spielen ist weniger eine Frage des Tempos als des Gefühls: das Rubato, die schwelende Intensität, die plötzliche Entladung.
Ein Hinweis zu den Noten
Da Piazzolla 1992 starb, steht seine Musik fest unter Urheberrecht und ist nicht gemeinfrei. Noten sollten über seine autorisierten Verlage (etwa Tonos und Editorial Lagos / Boosey & Hawkes) und lizenzierte Händler gekauft und nicht von Gratis-Seiten heruntergeladen werden.
Häufige Fragen
Spielte Piazzolla Gitarre?
Nein — er war Bandoneonspieler und Komponist, doch seine Musik überträgt sich wunderbar auf die Gitarre.
Was ist sein berühmtestes Gitarrenwerk?
Histoire du Tango (für Flöte und Gitarre) und die Solo-Cinco Piezas; Oblivion und Libertango werden viel bearbeitet.
Sind seine Noten kostenlos?
Nein — Piazzolla steht noch unter Urheberrecht; kaufe seine Noten bei autorisierten Verlagen.





