Notizen eines Luthiers: Sustain und die klassische Gitarre
Unter dem bewusst weit gefassten Titel „Sustain oder die metaphysische Position der klassischen Gitarre in der Organologie" reflektiert der Autor über einen der meistdiskutierten Aspekte des Gitarrenklangs: das Sustain.
Außerhalb der Akustik wird Sustain von Gitarristen und Lautenisten gemeinhin als die Dauer eines einzelnen Tons verstanden. In akustischer Hinsicht bezeichnet Sustain jedoch eine Phase, in der die Amplitude eines Klangs vor dem Abklingen relativ stabil bleibt. Im streng physikalischen Sinne existiert diese Phase bei Zupfinstrumenten eigentlich nicht. Oder doch?
Julian Bream beschrieb dieses Phänomen einmal mit bemerkenswerter Klarheit:
„Ich glaube, es gibt etwas Faszinierendes am gezupften Klang. Die Zupfinstrumente, die meisten wenn nicht alle, kommen aus dem Osten, und vielleicht hat das mit östlicher Mystik und religiöser Erfahrung zu tun, aber gezupfter Klang hat eine bemerkenswerte Qualität, weil das eigentliche Zupfen den Höhepunkt des Klangs darstellt, und danach stirbt er. Und wenn du eine Phrase von, sagen wir, sechs oder sieben Tönen spielst, hast du es wirklich mit sechs oder sieben Geburten und sechs oder sieben Toden zu tun. Wir hassen den Tod und wissen nicht, wie wir mit ihm umgehen sollen. Also halten wir unser Leben so lange wie möglich aufrecht. Die Aufregung liegt auch in den Räumen zwischen den Tönen. Und darin liegt der Reiz des gezupften Klangs."
Aus einer pragmatischeren Perspektive lässt sich gezupfter Klang als ein perkussives Ereignis mit definierter Tonhöhe beschreiben. Im breiteren Kontext von Musikinstrumenten und ihrem akustischen Verhalten betrachtet, verleiht diese Eigenschaft der klassischen Gitarre eine einzigartige Position in der Organologie.
Weitere Überlegungen zu diesem Thema finden sich hier: weiterlesen
Das Handwerk
Der Konzertgitarrenbau auf höchstem Niveau erfordert jahrelang angesammeltes Wissen: wie einzelne Holzstücke schwingen, wie Balkenstrukturen die Klangbalance beeinflussen, wie kleine geometrische Veränderungen den Charakter eines Instruments verschieben. Eine fertige Konzertgitarre repräsentiert in der Regel mehrere hundert Stunden Handarbeit. Jede Entscheidung – Holzauswahl, Gewölbehöhe, Balkendimensionen – prägt, was ein Spieler mit dem fertigen Instrument erreichen kann.





