Roy Fankhänel – Meistergitarrenbauer aus dem Erzgebirge
Roy Fankhänel zählt zu den markantesten Stimmen im zeitgenössischen deutschen Gitarrenbau — ein Handwerker, dessen Instrumente die stille Autorität einer jahrhundertealten regionalen Tradition tragen und dabei eine unverkennbar persönliche Handschrift zeigen. In Oelsnitz im Erzgebirge ansässig, hat Fankhänel sich einen Ruf für Instrumente erarbeitet, die makellose Konstruktion mit tonaler Vielseitigkeit verbinden und professionelle Interpreten wie ernsthafte Amateurmusikerinnen und -musiker aus der ganzen Welt der klassischen Gitarre anziehen.
Verwurzelt in einer Region der Instrumentenbauer
Das Erzgebirge ist seit Jahrhunderten ein Synonym für den Instrumentenbau. Die benachbarte Stadt Markneukirchen entwickelte sich zu einem der großen europäischen Zentren des Luthiertums und brachte Handwerker hervor, deren Fertigkeiten über Generationen in Werkstätten und Fachschulen weitergegeben wurden. In dieser Tradition begann Roy Fankhänel seine formale Ausbildung. Er besuchte die Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau in Klingenthal, eine Schule, die der Instrumentenbaugemeinschaft der Region seit Langem dient, bevor er seine Lehre in der Werkstatt des Meistergitarrenbauers Armin Gropp in Markneukirchen abschloss. Unter Gropps Anleitung eignete sich Fankhänel sowohl die technische Strenge als auch die feinsinnige Sensibilität an, die die besten Instrumente der deutschen Tradition auszeichnen.
Nach seiner Lehre absolvierte Fankhänel seine Meisterprüfung — die formale Qualifikation, die die höchste Stufe des deutschen Handwerks markiert — und betreibt seit 2012 seine eigene Meisterwerkstatt in der Pflockenstraße 15 in Oelsnitz. Die Werkstatt liegt in einer Landschaft, die seit Generationen Instrumentenbauer geprägt hat, und diese historische Tiefe ist ihm nicht entgangen. Jede Gitarre, die er fertigt, wird von Hand gebaut, von der ersten Holzauswahl bis zur abschließenden Einstellung, ohne dass ein einziger Schritt delegiert oder mechanisiert wird.
Bauphilosophie und persönliche Handschrift
Fankhänels Herangehensweise an den Gitarrenbau beginnt lange bevor der erste Schnitt ins Holz geht. Er arbeitet eng mit jedem Kunden zusammen, um deren tonale Vorlieben, körperliche Anforderungen und ästhetischen Empfindungen zu verstehen, und übersetzt diese Wünsche dann in jede Dimension des Instruments. Der Prozess der Individualisierung beginnt mit der Holzauswahl — einer Entscheidung, die den Charakter der Gitarre maßgeblich bestimmt — und erstreckt sich über ornamentale Details, Rosetten-Design, Kopfplattenform und Mensur, die alle auf die Bedürfnisse des Spielers abgestimmt werden können.
Die Decke, die Fankhänel für entscheidend für den Toncharakter hält, wird sowohl in europäischer Fichte als auch in Zeder angeboten, wobei jede dem Instrument ein anderes Ausdrucksregister verleiht. Für Boden und Zargen arbeitet er mit einer breiten Palette von Tonhölzern: Traditionelle Holzarten wie honduranisches, madagassisches und ostindisches Palisander stehen neben Cocobolo und Katalox, aber er ist ebenso vertraut im Umgang mit einheimischen europäischen Hölzern — Ahorn, Walnuss, Robinie und verschiedene Obsthölzer, die seine Instrumente mit den Wäldern des Erzgebirges verbinden. Diese Breite des Materialwissens spiegelt einen Erbauer wider, der versteht, dass der Klang einer Gitarre immer ein Dialog zwischen den Händen des Machers und den eigenen Eigenschaften des Holzes ist.
Zu den technischen Merkmalen, die seine Instrumente definieren, sticht das angehobene Griffbrett mit leichter Wölbung als praktische und ästhetische Signatur hervor. Dieses Detail, kombiniert mit dem charakteristischen V-Stoß am Übergang von Hals zu Kopfplatte und präzise ausgeführten Rosetten, verleiht Fankhänel-Gitarren ein sofort wiedererkennbares Profil. Seine Instrumente werden weithin für ihre leichte Bespielbarkeit gelobt — ein leicht gewölbtes Halsprofil und eine präzise Saitenlage machen sie zu reaktionsschnellen Instrumenten für professionelle Virtuosen und fortgeschrittene Schüler gleichermaßen. Der Klang zeichnet sich durch klare Artikulation, ausgewogene Bässe und ein brillantes Diskantregister aus, das auf allen Dynamikstufen ausdrucksstarkes Spiel belohnt. Für Spieler, die eine bequemere Reichweite benötigen, baut Fankhänel auch Instrumente mit einer reduzierten Mensur von 64 cm, ohne dabei die tonale Tiefe zu beeinträchtigen.
Diese Synthese aus individueller Anpassung und beständiger Handwerksqualität stellt Fankhänels Arbeit in eine Tradition von Klassikgitarren-Luthieren, die den Instrumentenbau als kollaborative Kunst zwischen Baumeister und Spieler begreifen. Die besten Instrumente aus dieser Tradition — man denke an die großen französischen Meister wie Robert Bouchet oder Daniel Friederich — wurden stets durch den Dialog mit den Interpreten geprägt, die auf ihnen spielten.
Modelle und bemerkenswerte Instrumente
Fankhänel vergibt fortlaufende RF-Modellnummern an seine Gitarren — ein System, das seinen Output chronologisch dokumentiert und es Spielern und Sammlern erlaubt, die Entwicklung seines Handwerks über die Zeit zu verfolgen. Instrumente von den RF 140ern bis zu den RF 220ern umspannen mehr als ein Jahrzehnt kontinuierlicher Entwicklung. Zu den bewundertsten Exemplaren gehören Gitarren mit Bärentatzen-Fichtendecken — eine seltene Maserung, die sowohl visuelle Dramatik als auch eine besonders resonante tonale Qualität beiträgt — gepaart mit exotischen Hölzern für Boden und Zargen wie Katalox und Cocobolo. Diese Instrumente vertreten die Spitzenklasse seiner Produktion und kombinieren die feinsten verfügbaren Materialien mit konstruktiven Verfeinerungen, die über Jahre des Bauens und Zuhörens angesammelt wurden.
Seine Gitarren sind nicht auf das klassische Konzertinstrument beschränkt. Fankhänel baut auch Western- und E-Gitarren, und seine Werkstatt hat Aufträge von Spielern weit über die klassische Welt hinaus angezogen. Unter seinen bekanntesten Projekten hat er Instrumente für den Gitarristen der Die Toten Hosen gebaut — ein Zeugnis der Vielseitigkeit seines Handwerks und der Reichweite seines Rufes über musikalische Grenzen hinaus. Die klassische Gitarristin Heike Matthiesen gehört zu den professionellen Musikerinnen, die Fankhänel-Instrumente für Konzertauftritte gewählt haben.
Eine Werkstatttradition im modernen Zeitalter
Was Fankhänels Position im zeitgenössischen Luthiertum besonders interessant macht, ist die Art und Weise, wie er überlieferte regionale Tradition mit Offenheit gegenüber Material- und Formexperimenten verbindet. Die Vielfalt der Bebalkungsansätze und Bausysteme, die modernen Luthieren zur Verfügung stehen, ist beträchtlich, und dennoch hat Fankhänel eine kohärente persönliche Stimme entwickelt, anstatt einfach Moden zu folgen. Seine Instrumente zeichnen sich durch eine Direktheit des Klangs aus — klar, kraftvoll und unmittelbar — die einen Erbauer widerspiegelt, dem es mehr darum geht, der Musik zu dienen, als technische Neuartigkeit um ihrer selbst willen zu demonstrieren.
Die Erzgebirger Werkstatttradition, aus der er hervorgegangen ist, war historisch mit der Serienproduktion verbunden, aber Fankhänel verkörpert ihre feinste Ausdrucksform: den einzelnen Meisterhandwerker, der auf höchstem Qualitätsniveau für eine anspruchsvolle internationale Kundschaft arbeitet. In dieser Hinsicht teilt seine Arbeit etwas mit den großen spanischen Meistern — den Ernsthaftigkeit, die man in den Werkstätten von Ignacio Fleta oder José Luis Romanillos findet — auch wenn sie in einem unverwechselbar deutschen Handwerkserbe verwurzelt bleibt.
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