Matthias Dammann – Pionier der Doppeldeckengitarre
Wenige Gitarrenbauer in der Geschichte des klassischen Gitarrenbaus haben das Handwerk so tiefgreifend geprägt wie Matthias Dammann. Der 1957 in Deutschland geborene Dammann ist der Erfinder der Doppeldeckengitarre — ein Konstruktionsansatz, der so radikal und so erfolgreich war, dass er eine ganze Generation von Instrumentenbauern beeinflusst und die Erwartungen der Spieler an eine Konzertgitarre grundlegend verändert hat. Seine Instrumente werden nicht nur bewundert; sie werden auf den Konzertpodien der Welt gespielt, geschätzt für ihre außergewöhnliche Projektion, Klarheit und Ansprache.
Von Frankfurt nach Niederbayern – Ein Gitarrenbauer findet seinen Weg
Dammann kam vergleichsweise spät zur Gitarre und begann erst in seinen späten Teenagerjahren ernsthaft damit. Er vertiefte sich intensiv in das Instrument, brachte sich zunächst selbst bei, bevor er Privatunterricht nahm und schließlich die Musikhochschule in Frankfurt besuchte, wo er später selbst als Gitarrendozent tätig war. In diesen Jahren entwickelte er sowohl die musikalische Tiefe als auch die analytische Schärfe, die seinen Ansatz als Gitarrenbauer prägen sollten.
1984 vollzog er den entscheidenden Schritt, verließ Frankfurt und eröffnete eine Werkstatt in Niederbayern, nahe der österreichischen Grenze. Dieser Schritt war keine Flucht, sondern eine Erklärung: Dammann wollte sich vollständig dem Bau von Gitarren widmen, die er selbst als aktiver Musiker von innen beurteilen konnte. Frühe Inspiration fand er in den Instrumenten von Daniel Friederich, Robert Ruck und Miguel Rodríguez, doch das systematische Studium der Gitarren von Antonio de Torres — des spanischen Meisters des 19. Jahrhunderts, der die Grundlagen der klassischen Gitarre legte — gab seiner Forschung die intellektuelle Richtung. Dammanns Verehrung für Torres war keine nostalgische Geste; sie war wissenschaftlicher Natur. Er wollte auf struktureller und akustischer Ebene verstehen, warum sich bestimmte Resonanzdecken auf eine bestimmte Weise verhielten.
Diese Verbindung aus künstlerischer und wissenschaftlicher Sensibilität brachte ihm schnell Anerkennung in der Gitarrenbauergemeinde ein. Nur vier Jahre nach der Eröffnung seiner Werkstatt gewann Dammann 1988 den Grand Prix beim renommierten Internationalen Gitarrenbauer-Wettbewerb Paris/ORTF — eine der begehrtesten Auszeichnungen im klassischen Gitarrenbau. Die Auszeichnung bestätigte, was diejenigen, die seine frühen Instrumente gespielt hatten, bereits wussten: Hier arbeitete ein Gitarrenbauer von außergewöhnlichem Talent an Fragen, die von grundlegender Bedeutung waren.
Die Doppeldecke – Eine Revolution im Resonanzdeckenbau
Dammanns bedeutendster Beitrag zum Gitarrenbau kam 1989, als er das vollendete, was heute als die weltweit erste Doppeldeckengitarre anerkannt ist. Das Konzept war in der Beschreibung täuschend einfach, in der Ausführung jedoch technisch anspruchsvoll: Anstelle einer einzigen massiven Resonanzdecke konstruierte Dammann ein „Sandwich" aus zwei dünnen Zederndecken, die einen leichten Kern einschlossen. In diesen frühen Instrumenten bestand der Kern aus dünnen Zedernstreifen, die unter Druck zwischen den beiden Deckenhäuten verleimt wurden. Durch Variation der Eigenschaften dieser Zwischenschicht konnte Dammann die akustischen Eigenschaften der Resonanzdecke mit einer Präzision steuern, die eine massive Decke nicht erlaubt.
Die Innovation entwickelte sich weiter. Mitte 1995, nachdem er auf Nomex aufmerksam gemacht worden war — ein auf Kevlar basierendes Wabenmaterial aus der Luft- und Raumfahrttechnik — integrierte Dammann es als Kernschicht und verklebte die Baugruppe unter Vakuumdruck mit einem speziell ausgewählten Klebstoff. Das Ergebnis war eine Resonanzdecke von bemerkenswerter Leichtigkeit und gleichzeitiger struktureller Integrität — eine Verbindung, die in der traditionellen Bauweise widersprüchlich erschienen war. Diese Nomex-Kern-Doppeldecke wurde zum Vorbild, das zahllose spätere Gitarrenbauer studierten, adaptierten und interpretierten. Die Geschichte, wie sich dieses Design in der Welt der Konzertgitarre verbreitete, wird im Artikel über Doppeldecken-Gitarren-Pioniere: Dammann und Wagner ausführlich beleuchtet.
Dammann hörte nicht auf. 2012 stellte er ein drittes Kernmaterial vor — manchmal informell als „Dammann 3.0"-System bezeichnet — und ging damit über Nomex hinaus zu proprietären Weiterentwicklungen, die die akustische Grenze des Designs weiter verschoben. Für diejenigen, die verstehen möchten, wie diese Ideen zu anderen fortgeschrittenen Konstruktionsphilosophien in Beziehung stehen, bietet der Artikel über Fächerbespan-, Doppeldeck- und Gittergitarren einen nützlichen Vergleich.
Konzertsolisten und der Dammann-Klang
Der eigentliche Maßstab für eine Konzertgitarre ist, ob Weltklasse-Spieler sie für die Bühne wählen. Schon Anfang der 1990er Jahre hatte Dammann eine Warteliste von über zehn Jahren — eine außergewöhnliche Zahl für einen Gitarrenbauer, der allein in einer kleinen Werkstatt arbeitet. Die Spieler, die zu warten bereit waren, gehörten zu den Bedeutendsten in ihrem Beruf.
Manuel Barrueco wurde 1993 der erste international bekannte Gitarrist, der öffentlich auf einer Dammann-Gitarre auftrat. David Russell, einer der gefeiertsten klassischen Gitarristen seiner Generation, folgte, und eine Gitarre aus seinem Besitz gilt als eines der am besten dokumentierten Dammann-Instrumente überhaupt. Weitere Zeugnisse für die Breite der Dammann-Anhängerschaft kamen von Spielern so unterschiedlicher stilistischer Ausrichtungen wie Pablo Sainz Villegas, Tilman Hoppstock, Thomas Müller-Pering, Franco Platino, Andrew York, Scott Tennant und dem Beijing Guitar Duo — ein Kreis, der Kontinente, Generationen und Spielstile umspannt und durch eine gemeinsame Wertschätzung für das verbindet, was die Doppeldeck-Konstruktion in der Aufführungspraxis ermöglicht.
Die Beständigkeit, mit der diese Spieler Dammann-Gitarren über lange Karrieren behalten haben, anstatt durch Instrumente zu wechseln, spricht für mehr als bloße Neuheit. Die Gitarren belohnen aufmerksames Zuhören und anhaltende Vertrautheit; wer sie spielt, beschreibt sie als Instrumente, die an Tiefe gewinnen, je besser ein Spieler sie kennenlernt.
Vermächtnis und Einfluss auf den modernen Gitarrenbau
Matthias Dammann nimmt in der Geschichte des klassischen Gitarrenbaus eine seltene Position ein: Er ist sowohl ein Praktiker höchsten Ranges als auch der Urheber eines strukturellen Paradigmas, das von so vielen übernommen wurde, dass es eine echte Denkschule darstellt. Während die Innovationen früherer Meister — der empirische Ansatz von Robert Bouchet oder die strenge Formenlogik von Ignacio Fleta — den Gitarrenbau vor allem durch die hinterlassenen Instrumente prägten, wirkt Dammanns Einfluss zusätzlich durch die von ihm eingeführten Techniken, die andere Gitarrenbauer heute in ihren eigenen Werkstätten rund um die Welt praktizieren und weiterentwickeln.
Sein Ansatz erinnert uns auch daran, dass die klassische Gitarre kein abgeschlossenes Objekt ist. Sie bleibt ein Ort ernsthafter Forschung, wo die von Torres in den 1860er Jahren aufgeworfenen Fragen — wie verhält sich Masse, Steifigkeit und Resonanz in einer Resonanzdecke optimal? — weiterhin neue Antworten erhalten. Dammann hat einige der wichtigsten Antworten der vergangenen fünfzig Jahre geliefert, und seine fortgesetzte Arbeit in Bayern legt nahe, dass die Forschung noch lange nicht abgeschlossen ist.
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