Bogusław Teryks nimmt eine einzigartige Stellung in der Welt des zeitgenössischen Klassikgitarrenbaus ein. Der polnische Gitarrenbauer, der seit Mitte der 1980er Jahre in Mainz arbeitet, gehört zu den ersten Baumeistern weltweit, die die Double-Top-Konstruktionstechnik gemeistert haben — eine Leistung, die ihn in die kleine Gruppe von Visionären einreiht, die den Klang der modernen Konzertgitarre geprägt haben. Seine Instrumente zeichnen sich durch einen breiten Dynamikumfang, außergewöhnliche Klangklarheit und eine Ansprache aus, die einige der besten Spieler der Gegenwart angezogen hat.
Biografie & Ausbildung
Teryks wurde in Wrocław (Breslau), Polen, geboren, und seine Leidenschaft für die Gitarre entflammte früh. Als Teenager sah er 1975 ein im polnischen Fernsehen übertragenes Konzert des venezolanischen Virtuosen Alirio Díaz — ein Erlebnis, das bleibende Spuren hinterließ. Die Gitarre — ihr Klang, ihre Konstruktion, ihre Geheimnisse — wurde zur lebenslangen Leidenschaft. Er begann bereits Anfang der 1980er Jahre, Instrumente zu bauen, nach einer befreundeten Wette in der Schule, die ihn vom Spieler zum Baumeister werden ließ.
Als Teryks 1984 nach Mainz zog, fand er sich inmitten einer florierenden deutschen Gitarrenbaulandschaft wieder. Er arbeitete unter der Anleitung von Manfred Pletz, mit dem er seine ersten vier Instrumente baute, und wurde später Gernot Wagner vorgestellt — einem der angesehensten deutschen Gitarrenbauer und Schlüsselfigur in der Entwicklung der Double-Top-Gitarre. Wagners Anleitung wirkte prägend. Unter seinem Einfluss baute Teryks rund 63 Instrumente nach traditionellen Konstruktionsprinzipien und erwarb dabei ein tiefes Verständnis von Bebalkungsgeometrie, Tonhölzern und akustischer Physik, bevor er seinen eigenen Weg einschlug.
Konstruktionsphilosophie
Was Teryks auszeichnet, ist seine Beherrschung dreier verschiedener Konstruktionsansätze: traditionell fächerbebalkte Gitarren, Gitter-Bebalkung und — vor allem — die Nomex-Double-Top. Die Double-Top-Gitarre nutzt eine Sandwichkonstruktion, bei der zwei hauchdünne Fichten- oder Zedernhäute um einen leichten Nomex-Wabenkern verklebt werden. Dies reduziert die Masse der Decke drastisch, während die Steifigkeit erhalten bleibt. Das Ergebnis ist eine Gitarre mit großem Volumen und Projektion bei gleichzeitiger Subtilität und Nuance, die frühere lautstärkeorientierte Konstruktionen bisweilen vermissen ließen.
Als Gernot Wagner die Prinzipien dieser fortschrittlichen Technik mit Teryks teilte, wurde er zum weltweit dritten Gitarrenbauer — nach Wagner selbst und seinem Kollegen Matthias Dammann —, der Gitarren nach dieser Innovation baute. Diese Abstammungslinie ist bedeutsam: Sie verbindet Teryks direkt mit dem Gründungsmoment einer Konstruktionsrevolution, die seitdem von Baumeistern weltweit übernommen wurde. Sein Double-Top-Modell, das er Grand Concert – Nada Brahma genannt hat, ist sein ausgefeiltester Ausdruck dieser Form. Der Name entstammt der Sanskrit-Philosophie — „Nada Brahma" bedeutet sinngemäß „die Welt ist Klang" — und spiegelt den meditativen Ernst wider, mit dem Teryks an das Bauen herangeht.
Seine Gittergitarren hingegen unterscheiden sich bewusst von der steifen australischen Gitter-Tradition mit hoher Saitenspannung. Teryks' Gitterinstrumente bewahren eine Wärme und Gesanglichkeit, die eher dem europäischen Klangideal entspricht, während sie dennoch die erhöhte Projektion bieten, die die Gitterbebalkung ermöglicht. In all seinen Konstruktionsstilen gilt dasselbe Bestreben: die aus seiner Sicht unnötigen Grenzen des Ausdrucksraums der klassischen Gitarre zu überwinden und den Spielern Instrumente zu geben, die den vollen Anforderungen der modernen Konzertszenerie gerecht werden.
Signaturmodelle & Handwerkskunst
Teryks nummeriert jede Gitarre, die er baut, und seine Seriennummern reichen inzwischen weit in die 280er und darüber hinaus — Zeugnis einer Karriere, die sich über mehr als vier Jahrzehnte erstreckt. Seine Instrumente entstehen vollständig in Handarbeit in seiner Mainzer Werkstatt. Jede Gitarre ist das Ergebnis einer sorgfältigen Auswahl von Tonhölzern — europäische Fichten- und Zederndecken, Palisander oder Ahorn für Boden und Zargen —, die nicht nur nach optischen Qualitäten ausgesucht werden, sondern nach den akustischen Eigenschaften, die Teryks durch langjährige Erfahrung zu erkennen gelernt hat. Das Grand Concert – Nada Brahma Double-Top ist das Instrument, das professionelle Spieler am häufigsten suchen: es vereint eine breite Dynamikpalette mit einem singenden Diskanterregister und einem kraftvollen, klar definierten Bass.
Für Spieler und Sammler, die sich für die Breite der klassischen Gitarrenbautraditionen interessieren, bietet eine Teryks-Gitarre etwas Seltenes: die Möglichkeit, ein Instrument zu besitzen, das von einem Luthier gebaut wurde, der beim Entstehen einer wichtigen Konstruktionsinnovation zugegen war und vierzig Jahre damit verbracht hat, seine Interpretation dieser Innovation zu verfeinern.
Bekannte Spieler
Die Liste der Gitarristen, die sich für ein Teryks-Instrument entschieden haben, bezeugt die Qualität und Vielseitigkeit seiner Arbeit. Der polnische Virtuose Marcin Dylla — einer der anerkanntesten klassischen Gitarristen seiner Generation und Erstpreisträger bei den renommiertesten internationalen Wettbewerben — hat Teryks-Gitarren gespielt und dem Baumeister damit erhebliches Ansehen eingebracht. Łukasz Kuropaczewski, ein weiterer führender polnischer Gitarrist mit umfangreicher internationaler Karriere, gehört ebenfalls zu seinen Kunden. Darüber hinaus haben der japanische Gitarrist Yoshimasa Yoshida und Musiker des Niibori Guitar Orchestra seine Instrumente gespielt, ebenso aufstrebende Talente wie Vera Danilina und Jakob Bangsø. Das Amaral Duo und Pavel Kukhta vervollständigen eine Kundenliste, die Kontinente und Spielstile umspannt.
Diese Vielfalt an Spielern spricht für eine grundlegende Qualität der Teryks-Gitarre: Sie zwingt dem Spieler keinen bestimmten Klang auf, sondern reagiert offen auf unterschiedliche Anschlagstechnik und -intensität — ein echtes Werkzeug für den musikalischen Ausdruck.
Vermächtnis & Anerkennung
Über das Zeugnis der Spieler hinaus, die seine Instrumente besitzen, hat Teryks formale Anerkennung für sein Handwerk erhalten. Er gewann den ersten Platz bei internationalen Gitarrenbauwettbewerben in Danzig und errang den Grand Prix gleich bei zwei Ausgaben — 1999 und 2003 — und bestätigte damit seinen Rang unter den besten europäischen Baumeistern. Sein Platz in der Geschichte des Instruments ist nicht nur durch diese Auszeichnungen gesichert, sondern durch seine einmalige Position als Mitglied der Gründungsgeneration der Double-Top-Gitarrenbauer.
Im breiteren Kontext der zeitgenössischen Lutherie ist Teryks eine Figur, die Traditionen verbindet: verwurzelt in der klassischen europäischen Handwerkslinie, die von Daniel Friederich bis zu José Luis Romanillos reicht, und zugleich ein Pionier des akustisch-ingenieurtechnischen Ansatzes, der den Gitarrenbau im einundzwanzigsten Jahrhundert geprägt hat. Seine Gitarren verkörpern diese Balance — Instrumente, die sich unter den Fingern organisch lebendig anfühlen und dennoch mit der Präzision und Intentionalität eines Handwerkers gebaut sind, der ein Leben lang zugehört hat, was Holz zu leisten vermag.
Für alle, die ein Konzertinstrument suchen, das echte historische Bedeutung trägt und auf höchstem Spielniveau erprobt ist, gehören die Gitarren von Bogusław Teryks zu den überzeugendsten Optionen, die heute verfügbar sind.
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