Marco Pereira on Classical Guitar – Brazilian Guitar Master
Marco Pereira ist eine der unverwechselbarsten Stimmen der klassischen Gitarrenwelt. 1950 in São Paulo, Brasilien, geboren, hat er eine Karriere aufgebaut, die sowohl in ihrer musikalischen Breite als auch in ihrer künstlerischen Tiefe außergewöhnlich ist. In der europäischen klassischen Tradition ausgebildet, mit Jazz-Harmonik vertraut und tief verwurzelt in den Rhythmen und Klangwelten der brasilianischen Popularmusik — Choro, Samba, Baião, Maracatu, Frevo —, nimmt Pereira eine einzigartige Stellung in der zeitgenössischen Gitarrenkultur ein. Seine Kompositionen werden weltweit auf Konzertbühnen und in Konservatorien gespielt und studiert, und seine Aufnahmen dokumentieren eine musikalische Vision, die unverwechselbar seine eigene ist.
Frühe Jahre und klassische Ausbildung
Pereira wuchs in São Paulo auf und erhielt seine frühe musikalische Ausbildung am Konservatorium für Musik und Theater in São Paulo. Sein Gitarrenunterricht wurde von Isaias Sávio geprägt, einem uruguayischen Meister, der Schüler von Miguel Llobet gewesen war und zu den einflussreichsten Gitarrenlehrern Brasiliens gehörte. Durch Sávio bekam Pereira Zugang zu einer strengen europäischen Technik, die allem, was er später entwickelte, als Fundament dienen sollte.
Nach seiner Zeit in Brasilien setzte Pereira seine Ausbildung in Europa fort. Er erwarb einen Master in klassischer Gitarrenperformance an der Université Musicale Internationale in Paris sowie einen zweiten Master in Musikwissenschaft an der Université Paris-Sorbonne. Seine musikwissenschaftliche Abschlussarbeit widmete sich Heitor Villa-Lobos und seinen Werken für Gitarre — ein Thema, das sein gesamtes künstlerisches Schaffen durchzieht: das brasilianische Musikerbe zu verstehen und zu würdigen und es gleichzeitig in einen breiteren internationalen Zusammenhang zu stellen.
Die Pariser Jahre waren auf noch eine weitere Art prägend. Pereira trat beim 9. Festival de Jazz de Paris auf, was ihm die Tür zu Konzertauftritten in ganz Europa und Nordamerika öffnete. 1988 spielte er in der Town Hall in New York — ein Meilenstein, der seinen Rang auf der internationalen Bühne bestätigte.
Auszeichnungen und internationale Anerkennung
Noch bevor er als Aufnahmekünstler und Komponist Bekanntheit erlangte, trat Pereira bei zwei der renommiertesten Gitarrenwettbewerbe der Welt an — und gewann. Er errang den ersten Preis beim Concurso Andrés Segovia in Palma de Mallorca und beim Concurso Francisco Tárrega in Valencia, Spanien. Diese Siege stellten ihn in eine Reihe mit den führenden Klassikgitarristen seiner Generation und verschafften ihm eine Plattform, von der aus er seine eigene künstlerische Sprache weiterentwickeln konnte.
Später in seiner Karriere wurde sein Beitrag zur brasilianischen Musik mit Sharp Awards gewürdigt — den wichtigsten Musikpreisen der brasilianischen Industrie. Er erhielt den Preis für den besten Solisten und das beste Album des Jahres 1994 sowie den Preis für den besten Arrangeur 1993 für seine Arbeit an Gal Costas Album. Diese Auszeichnungen spiegeln die Bandbreite seines Musikertums wider: ein Konzertsolist, der sich ebenso zu Hause fühlt als Kollaborateur und Arrangeur in der Welt der Popularmusik.
Die Brücke zwischen klassischer Gitarre und brasilianischer Popularmusik
Was Pereiras künstlerisches Profil wirklich ungewöhnlich macht, ist die Qualität seiner Auseinandersetzung mit der brasilianischen Popularmusik. Dabei handelt es sich nicht um gelegentliche stilistische Anleihen. Pereiras Kompositionen schöpfen tief und kenntnisreich aus Choro, Samba, Baião, Maracatu und Frevo — rhythmischen und harmonischen Welten mit ihrer eigenen inneren Logik und ihren eigenen Ansprüchen an den Ausführenden. Seine Ausbildung in Jazz-Harmonik gab ihm zusätzliche Werkzeuge an die Hand, um diese Idiome in eine kohärente Kompositionssprache zu integrieren, die auch Hörer anspricht, die in der klassischen Tradition aufgewachsen sind.
Diese Synthese hat Pereiras Musik für Gitarristen attraktiv gemacht, die ihr Repertoire über den europäischen Standardkanon hinaus erweitern möchten. Seine Stücke erscheinen auf Konzertprogrammen neben Werken von Francisco Tárrega, Agustín Barrios Mangoré und Johann Sebastian Bach — ein Beweis dafür, wie natürlich sich seine Kompositionen in die Tradition der klassischen Gitarre einfügen, auch wenn sie diese Tradition in dezidiert brasilianische Richtungen erweitern.
Die Vielfalt der brasilianischen Künstler, mit denen er als Interpret und Arrangeur zusammengearbeitet hat, unterstreicht seine Position an der Schnittstelle dieser Welten. Er hat mit Tom Jobim, Milton Nascimento, Gilberto Gil, Edu Lobo, Paulinho da Viola, Gal Costa und Wagner Tiso zusammengearbeitet — Persönlichkeiten, die die Breite der brasilianischen Popularmusik des 20. Jahrhunderts auf höchstem Niveau repräsentieren.
Lehrtätigkeit und akademische Arbeit
Neben seiner Karriere als Interpret und Komponist hat Pereira stets eine ernsthafte Verpflichtung zum Unterrichten aufrechterhalten. Er etablierte Kurse in klassischer Gitarre und Funktionaler Harmonielehre an der Universidade de Brasília (UnB), bevor er nach Rio de Janeiro wechselte, wo er seitdem als Professor in der Kompositionsabteilung der Bundesuniversität Rio de Janeiro (UFRJ) tätig ist. Sein Unterricht hat Generationen brasilianischer Gitarristen und Komponisten geprägt.
Seine pädagogischen Interessen haben auch in einer Reihe von Publikationen ihren Niederschlag gefunden, die in der brasilianischen Musikausbildung weit verbreitet sind. Sein Buch Ritmos Brasileiros (2007), das mit einer begleitenden Aufnahme erschien, gibt einen systematischen Überblick über brasilianische Rhythmusformen und ihre Anwendung auf der Gitarre. Sete Cordas – técnica e estilo (2010) behandelt die siebensaitige Gitarre — ein zentrales Instrument im Choro und Samba — und deckt sowohl Technik als auch die stilistischen Anforderungen des Repertoires ab. Seine dreibändigen Cadernos de Harmonia (2011) bieten einen umfassenden Ansatz zur Harmonielehre, der sowohl aus der klassischen als auch aus der Jazz-Tradition schöpft.
Diese Werke spiegeln dieselbe Ambition wider, die auch seine Kompositionen antreibt: ein musikalisches Erbe zu dokumentieren und weiterzugeben, das zwar zu Brasilien gehört, aber jeden anspricht, der die Gitarre als ausdrucksstarkes Instrument versteht.
Kompositionen und Notenveröffentlichungen
Marco Pereiras Kompositionen sind bei den Éditions Lemoine in Paris, Guitar Solo Publications in San Francisco, der Editora Musimed in Brasília und der Editora Garbolights in Rio de Janeiro erschienen. Diese internationale Verlegergemeinschaft spiegelt sowohl die Reichweite seiner Musik als auch ihre Stellung in der breiteren Gitarrenwelt wider.
Zu seinen bekanntesten Stücken für Solokitarre gehören Werke in brasilianischen Tanzformen — Choro, Baião, Valsa — sowie umfangreichere Konzertstücke, die seine Meisterschaft in klassischer Form und Textur zeigen. Seine Kompositionen werden regelmäßig von Gitarristen gespielt, die den Reichtum der brasilianischen Musik in den Konzertsaal bringen möchten. Seine Werke zu erkunden eröffnet eine Welt aus Rhythmus, Klangfarbe und harmonischer Raffinesse, die das klassische Gitarrenrepertoire bereichert, ohne es in irgendeiner Weise zu schmälern.
Seine Orchesterwerke erweitern diese Vision noch weiter. Lendas Amazônicas wurde im November 2012 in São Paulo uraufgeführt, und Concerto Calunga erlebte 2017 seine Premiere in Russland — Belege für einen Komponisten, dessen Ambitionen nie auf das Instrument allein beschränkt waren.
Diskografie
Pereiras Diskografie umspannt mehr als vier Jahrzehnte und umfasst Aufnahmen bei Labels in ganz Europa und Brasilien. Zu seinen Soloalben gehören Violão Popular Brasileiro Contemporâneo (1985), Círculo das Cordas (1987), Dança dos Quatro Ventos (GHA, Belgien, 1995), Elegia (Channel Classics, Niederlande, 1995), Brasil Musical (Tom Brasil, Brasilien, 1995), Valsas Brasileiras (Garbolights, 1999), Luz das Cordas (Garbolights, 2001), Original (Guitar Solo Publications, San Francisco, 2004), O Samba da Minha Terra (Garbolights, 2004), Afinidade (2006), Camerístico (Garbolights, 2007), Stella del Matino (EGEA, Perugia, Italien), Essence (Kind of Blue, Lugano, Schweiz) und Cristal (Garbolights).
Zusammen genommen bieten diese Aufnahmen das Porträt eines Musikers, der nie stillgestanden ist: Jedes Album eröffnet ein neues Kapitel, und die Konstanz der Qualität über eine so lange Karriere ist selbst ein Maß für Pereiras Hingabe an sein Handwerk.
Marco Pereira bei Siccas Guitars
Das folgende Video zeigt Marco Pereira in einer Live-Performance — eine Gelegenheit zu hören, was sein Spiel so fesselnd macht. Die Verbindung aus klassischer Präzision, rhythmischer Vitalität und einem vollkommen eigenständigen Klang ist von den ersten Tönen an spürbar.
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Ein Meister zweier Welten
Marco Pereiras Karriere zeigt mit seltener Überzeugungskraft, dass die klassische Gitarre nicht zwischen Tradition und Innovation oder zwischen Europa und Brasilien wählen muss. Seine Musik gehört beiden Welten gleichzeitig an, und sie wird durch diese Dualität bereichert, nicht etwa geschwächt.
Für Gitarristen, die den vollen Umfang dessen erkunden möchten, was das Instrument leisten kann, bieten seine Kompositionen einen wesentlichen Einstiegspunkt in die Welt der brasilianischen Musik — Musik, die sorgfältiges Zuhören lohnt und das Lernen vielfach belohnt. Er steht neben den großen klassischen Gitarristen des 20. und 21. Jahrhunderts — nicht weil er einen von ihnen imitiert, sondern weil er seinen eigenen Weg gefunden hat.
Diese Unabhängigkeit der Vision, geerdet in tiefen technischen und musikalischen Kenntnissen, macht Marco Pereira zu einem Meister der klassischen Gitarre — und zu einem überzeugenden Grund, weiter zuzuhören.





