Stefan Koim ist ein deutscher Gitarrist mit einem seltenen Doppelprofil: Er ist auf der modernen Konzertgitarre ebenso zu Hause wie auf historischen Zupfinstrumenten. Er studierte in Köln, Salzburg, Boston und Würzburg, unter anderem bei Hubert Käppel, Eliot Fisk, Jorge Ruck und Thomas Boysen, und erhielt Stipendien der Fulbright-Kommission, der Rotary Foundation und der Studienstiftung des deutschen Volkes. Heute leitet er die Gitarrenabteilung an der Universität Osnabrück. Mehr erfährst du in unserem Künstlerprofil von Stefan Koim.
Für diese Siccas-Media-Aufnahme wählte er eine echte Rarität des Repertoires: Segoviana op. 366 von Darius Milhaud.
Über Segoviana op. 366
Segoviana ist Darius Milhauds einziges Werk für Sologitarre. Er schrieb es 1957 für Andrés Segovia, dessen lebenslanger Einsatz für die Erweiterung des Gitarrenrepertoires Dutzende führender Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts zum Instrument brachte. Der Titel ist eine direkte Hommage an den Widmungsträger.
Das Stück ist kurz, aber alles andere als leichtgewichtig. Milhaud schreibt mit der harmonischen Freiheit, für die er berühmt war — seine charakteristische Polytonalität färbt die Leersaiten-Klänge der Gitarre auf unerwartete Weise — und das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Fantasie und Tanz. Weil Milhaud kein Gitarrist war, arbeitet der Satz gegen die Gewohnheiten des Instruments an — und genau das macht ihn faszinierend: Die Gitarre soll wie Milhaud klingen, nicht wie sie selbst. Es ist ein Stück für Kenner geblieben, weit seltener gespielt als die Werke, die Segovia bei gitarrennäheren Komponisten in Auftrag gab, und so souveräne Aufnahmen wie die von Koim sind rar.
Über Darius Milhaud
Darius Milhaud (1892–1974) war einer der produktivsten französischen Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts und Mitglied der „Groupe des Six“, jener Pariser Komponistengruppe, die in den 1920er-Jahren gegen den Impressionismus antrat. Seine Jahre als junger Diplomat in Brasilien hinterließen eine lebenslange Prägung durch lateinamerikanische Rhythmik, und seine frühe Auseinandersetzung mit dem Jazz machte ihn zu einem Pionier der Verbindung von Konzertmusik und populären Idiomen. Er lehrte jahrzehntelang am Mills College in Kalifornien und am Pariser Conservatoire; zu seinen Schülern zählten einige der einflussreichsten Musiker der Nachkriegszeit.
Dass ein Komponist dieses Ranges der Gitarre genau ein Werk hinterließ, macht Segoviana zu einem kleinen, aber kostbaren Dokument der Segovia-Ära — jener Zeit, in der das moderne Gitarrenrepertoire Stück für Stück durch persönliche Überzeugungsarbeit aufgebaut wurde.
Das Video
Wenn dich das Repertoire interessiert, das Segovias Einsatz hervorgebracht hat, lies unser Profil von Andrés Segovia und stöbere in unserer Übersicht der berühmten klassischen Gitarrenstücke.





