Während Fernando Sor die Salons von Paris und London bezauberte, eroberte ein anderer Gitarrist die anspruchsvollste Musikstadt Europas. Mauro Giuliani (1781–1829) ließ sich auf der Höhe der klassischen Blütezeit in Wien nieder — dem Wien Beethovens, Schuberts und Rossinis — und etablierte dort die Gitarre als echtes Konzertinstrument, fähig zu Brillanz und Größe auf der öffentlichen Bühne.
Ein Italiener in Wien
Giuliani wurde in Bisceglie im Süden Italiens geboren und lernte mehrere Instrumente, ehe er sich der Gitarre verschrieb. Um 1806 zog er nach Wien, damals das Zentrum des europäischen Musikkosmos, und wurde rasch dessen führender Gitarrenvirtuose. Er verkehrte in den höchsten Kreisen — er soll als Orchestermusiker an der Uraufführung von Beethovens Siebter Symphonie mitgewirkt haben — und wurde von den größten Komponisten der Stadt bewundert. Später kehrte er nach Italien zurück und verbrachte seine letzten Jahre in Rom und Neapel.
Der brillante Stil
Wo Sors Musik ausgewogen und intim ist, ist die Giulianis extrovertiert und schillernd — geschrieben, um ein Konzertpublikum zu begeistern. Seine bekanntesten Werke zeigen diesen Konzertglanz vollkommen:
- Grande Ouverture, op. 61 — ein weit ausholendes, orchestral klingendes Schaustück, das mit einer langsamen Einleitung beginnt, ehe es in funkelnde Virtuosität aufbricht. Einer der Eckpfeiler des Solorepertoires.
- Die Gitarrenkonzerte — besonders das Konzert A-Dur op. 30, das die Gitarre als gleichwertigen Solisten vor ein volles Orchester stellte.
- Die Rossiniane — eine Reihe von Fantasien über Themen Rossinis, die Opernmelodie mit Gitarrenfeuerwerk verbinden.
Auch eine Methode
Wie Sor war auch Giuliani Lehrer und Interpret zugleich, und seine Etüden und Übungen — darunter die berühmten 120 Arpeggio-Studien der rechten Hand aus op. 1 — bleiben ein Fundament der technischen Ausbildung. Generationen von Spielern haben darauf ihre Geläufigkeit der rechten Hand aufgebaut. Seine Musik erfüllt damit denselben doppelten Zweck wie die Sors: Sie unterhält im Konzertsaal und unterweist im Übungsraum.
Sein Platz im Repertoire
Gemeinsam definieren Sor und Giuliani die Gitarre des frühen 19. Jahrhunderts — den Moment, in dem das Instrument erwachsen wurde. Giulianis besondere Gabe war es, ihr Ehrgeiz und Glanz zu geben, zu zeigen, dass sie eine große Bühne füllen und neben einem Orchester bestehen kann. Dieses Selbstbewusstsein klingt bis heute durch seine Musik — und darum bleiben die Grande Ouverture und die Konzerte weltweit Lieblingsstücke der Virtuosen.
Wo du die Noten bekommst
Giuliani starb 1829, seine gesamte Musik ist also gemeinfrei und legal gratis herunterzuladen — siehe unseren Ratgeber zu Gratis-Noten für Klassikgitarre.
Häufige Fragen
Wo wirkte Giuliani?
Vor allem in Wien, dem Zentrum der klassischen Musik, wo er der führende Gitarrenvirtuose seiner Zeit wurde.
Was ist sein berühmtestes Stück?
Die Grande Ouverture, op. 61, neben seinen Gitarrenkonzerten und den Rossiniane.
Ist seine Musik kostenlos?
Ja — Giuliani ist gemeinfrei, seine Werke sind also legal kostenlos verfügbar.
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