Manche Stücke werden so beliebt, dass sie ihrem Komponisten beinahe entgleiten. Koyunbaba des italienischen Komponisten Carlo Domeniconi (geboren 1947) ist eines davon — eine hypnotische, eindringlich schöne Suite, die zu den geliebtesten Gitarrenwerken der letzten fünfzig Jahre geworden ist und weltweit von Schülern wie Konzertkünstlern gespielt wird.
Ein Komponist zwischen zwei Welten
Domeniconi wurde im italienischen Cesena geboren und zum Gitarristen ausgebildet, ehe er sich in Berlin niederließ, wo er Komposition studierte. Das entscheidende Kapitel seines Lebens aber war seine Zeit in der Türkei: Er unterrichtete am Konservatorium in Istanbul und tauchte in die türkische Musik ein, ihre Modi, ihre Melodien und ihren meditativen Geist. Diese Begegnung von europäischem Handwerk und anatolischem Klang ist die Quelle von Koyunbaba.
Die Geschichte hinter dem Stück
„Koyunbaba" — etwa „Schaf-Vater" — ist der Name einer Region an der Ägäisküste der Türkei und auch eines mit ihr verbundenen Volksheiligen. Domeniconi schrieb die Suite, sein op. 19, nach Zeit in jener Landschaft, und die Musik trägt das Gefühl eines Ortes: Sonne, Stille, Weite und eine langsam wachsende Intensität. Sie entfaltet sich in vier Sätzen, von einer traumartigen Eröffnung über einen singenden langsamen Satz bis zu einem berühmt mitreißenden, treibenden Finale.
Das Geheimnis der Stimmung
Ein Teil des bannenden Klangs von Koyunbaba stammt von seiner Scordatura — einer besonderen Umstimmung der Saiten in einen offenen cis-Moll-Akkord. Da das ganze Instrument auf eine resonante Harmonie gestimmt ist, schwingt jede offene Saite mit und verleiht dem Stück seine schimmernde, bordunartige Qualität, fast wie eine türkische Saz oder eine Sitar. Ein perfektes Beispiel dafür, wie ein Komponist eine völlig neue Farbe findet, indem er die Gitarre schlicht umstimmt.
Wie man es angeht
Die früheren Sätze liegen im Bereich eines engagierten Mittelstufenspielers und sind zutiefst lohnend; der Schlusssatz mit seinem unerbittlichen, tremoloartigen Drive ist eine echte Prüfung von Ausdauer und Nerv. Der Schlüssel zum ganzen Stück ist Atmosphäre — die offenen Saiten klingen lassen, die langen Linien formen und geduldig auf jenen berühmten Schlusssturm hinarbeiten.
Ein Hinweis zu den Noten
Carlo Domeniconi ist ein lebender Komponist, Koyunbaba steht also unter Urheberrecht und ist nicht gemeinfrei. Die Noten sind verlegt (u. a. bei Edition Margaux / Berben) und sollten bei autorisierten Verlagen und Händlern gekauft werden.
Häufige Fragen
Wer schrieb Koyunbaba?
Der italienische Komponist Carlo Domeniconi (geboren 1947), inspiriert von seinen Jahren in der Türkei.
Warum klingt es so ungewöhnlich?
Es verwendet eine Scordatura in einen offenen cis-Moll-Akkord, sodass die ganze Gitarre mitschwingt.
Sind die Noten kostenlos?
Nein — Domeniconi ist ein lebender Komponist; die Noten sollten in autorisierten Ausgaben gekauft werden.
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