Masaki Sakurai – Meistergitarrenbauer und Hüter des Kohno-Erbes
Masaki Sakurai (1944–2025) gilt als einer der bedeutendsten Klassikgitarrenbauer, die Japan je hervorgebracht hat. Als Neffe des legendären Masaru Kohno und späterer Präsident der Kohno Guitar Manufacturing trug er eine Werkstatttradition weiter, die die weltweite Wahrnehmung japanischer Lautenmacherei über sechs Jahrzehnte prägte. Sakurai bewahrte dabei nicht nur ein Erbe — er vertiefte es durch rigorose akustische Forschung, preisgekrönte Entwürfe und eine unerschütterliche Hingabe an die handwerklichen Grundsätze seines Onkels. Sein Tod im Juli 2025 im Alter von einundachtzig Jahren bedeutete das Ende einer Ära und den Abgang eines wahren Meisters.
Vom Ingenieurswesen zur Lautenmacherei: Ausbildung und die Kohno-Werkstatt
Sakurais Weg in den Gitarrenbau war von familiären Bindungen und intellektueller Neugier geprägt. Er studierte Elektrotechnik an der Sophia University in Tokio, bevor er 1967 zur Kohno Guitar Manufacturing stieß und direkt unter Masaru Kohno in die Lehre ging. Sein wissenschaftlicher Hintergrund sollte sich als weit mehr als eine Nebensache erweisen — er würde schließlich den bedeutendsten Beitrag seiner Karriere grundlegend beeinflussen. Die Kohno-Werkstatt hatte bereits in den 1960er-Jahren internationale Anerkennung erlangt, und Sakurai trat ihr in einer Phase echten Aufschwungs bei. Er nahm die Traditionen des spanisch geprägten Instrumentenbaus auf, den Kohno gepflegt hatte, und entwickelte gleichzeitig sein eigenes Verständnis davon, wie die Architektur einer Gitarre ihren Klang erzeugt — oder verhindert. Als Masaru Kohno 1998 starb, war Sakurai seit über dreißig Jahren ein wesentlicher Teil der Werkstatt und der natürliche Nachfolger in ihrer Leitung. Das Erbe, das er antrat, stellte ihn in eine Reihe mit den großen Klassikgitarrenbauern der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.
Der Pariser Wettbewerb 1988 und ein Signaturmodell
Den entscheidenden öffentlichen Meilenstein seiner Karriere errang Sakurai 1988, als ihm beim Vierten Internationalen Gitarrenbau-Wettbewerb in Paris der erste Preis zuerkannt wurde — einer der renommiertesten Wettbewerbe der Lautenmacher-Welt. Diese Auszeichnung bestätigte, was die Gitarrengemeinschaft bereits wusste: Sakurai hatte eine eigenständige Stimme entwickelt, die sich selbst von der Kohno-Tradition unterschied, in der er aufgewachsen war. Die preisgekrönte Gitarre gab einem seiner gefeiertsten Serienmodelle den Namen: dem „P.C." (Paris Competition). Mit Fichten- oder Zederndecken, Madagaskar-Palisander für Boden, Zargen und Steg, Cashew-Lackierung und Griffbrettern aus Ebenholz verkörpert das P.C.-Modell jahrzehntelange Weiterentwicklung des ursprünglichen Entwurfs. Es ist kein Erinnerungsstück, sondern eine lebendige Fortsetzung der Ideen, die Sakurai in Paris verfolgte. Die französische Hauptstadt war historisch gesehen ein Schmelztiegel des Lautenmacher-Ehrgeizes; Persönlichkeiten wie Daniel Friederich bauten ihre Karriere rund um die Pariser Gitarrenkultur auf, und Sakurais Triumph dort stellte ihn in illustre Gesellschaft.
Akustikforschung und ein neuer Ansatz bei der Bebalkung
Was Sakurai von vielen Lautenmachern vergleichbaren Ranges unterscheidet, ist das Ausmaß, in dem er das Handwerk der wissenschaftlichen Methode unterwarf. Um 2002 begann er eine Zusammenarbeit mit Professor Hiroshi Okamura, einem Spezialisten für Schwingungstechnik am Shibaura Institute of Technology in Tokio. Gemeinsam befestigten sie Sensoren an Resonanzdecken, um die Schallausbreitung zu untersuchen und die Vibrationsmechanismen mit einer Präzision zu analysieren, die die traditionelle Lautenmacherei selten anstrebte. Die Erkenntnisse veranlassten Sakurai, ein überarbeitetes Bebalkungs-System zu entwickeln — eines, das sich über den oberen und unteren Bereich der Decke erstreckt, anstatt dem herkömmlichen reduzierten Balkenmuster auf der Bassseite zu folgen. Die Ergebnisse sind hörbar: Seine Gitarren produzieren einen strafferen, besser definierten Bassbereich, eine gleichmäßigere Klangfarbe in allen Lagen und ein Volumen, das dem verfeinerten Spielgefühl widerspricht. Dieser forschungsgeleitete Ansatz unterscheidet die Kohno-Sakurai-Tradition von den intuitiveren, historisch verankerten Methoden europäischer Zeitgenossen wie Robert Bouchet oder Ignacio Fleta — nicht als Frage der Überlegenheit, sondern der Philosophie. Sakurai war überzeugt, dass das Verständnis der Holzphysik untrennbar damit verbunden ist, dem Musiker zu dienen, der das Ergebnis schließlich spielen würde.
Die Leitprinzipien der Werkstatt — KOKORO (Geist), WAZA (Handwerkskunst) und HIBIKI (Resonanz) — spiegeln dieses doppelte Bekenntnis zu Tradition und Forschung wider. Die Holzauswahl wird mit derselben Sorgfalt behandelt wie das akustische Design, und jedes Instrument verlässt die Tokioter Werkstatt mit einheitlicher Saitenlage und einer Spielbarkeit, die professionelle Gitarristen häufig als eines der prägenden Merkmale einer Sakurai-Gitarre nennen.
Gitarrenmodelle und die Sakurai-Kohno-Linie
Sakurai produzierte Instrumente unter zwei verschiedenen Identitäten. Gitarren, die nur seinen Namen tragen, repräsentieren seine persönliche Vision und seinen anspruchsvollsten Instrumentenbau — darunter die Modelle P.C., Special und Maestro-RF. Der Maestro-RF verfügt über ein erhöhtes Griffbrett, das den Zugang zur oberen Lage erleichtert — eine praktische Verbesserung für professionelle Interpreten. Die Sakurai-Kohno-Linie hingegen führt das Erbe der angesehensten Entwürfe seines Onkels fort und eröffnet Spielern auf verschiedenen Niveaus den Zugang zu den Traditionen der Kohno-Werkstatt. Beide Linien teilen dieselbe Tokioter Werkstatt, dieselbe Sorgfalt bei der Holzauswahl und dieselbe akustische Philosophie — dienen aber unterschiedlichen ausdrucksbezogenen Zwecken. Das Verständnis der Beziehung zwischen Fächerbebalkung und Deckenaufbau hilft zu erklären, warum Sakurais Modifikationen am traditionellen Fächermuster eine so charakteristische klangliche Signatur erzeugten: gleichmäßigere Ansprache, vollere Projektion und eine Klarheit, die professionelle Spieler auf der Bühne sofort nutzbringend fanden.
Bedeutende Spieler und das anhaltende Erbe der Werkstatt
Die Liste der Gitarristen, die auf Kohno- und Sakurai-Instrumenten gespielt haben, liest sich wie ein Querschnitt durch die gefeiertsten Namen der Klassikgitarre. Julian Bream und Sharon Isbin haben beide Instrumente aus der Werkstatt gespielt, und zu den aktiven Fürsprechern zählten Oscar Ghiglia, Eduardo Fernández und Shinichi Fukuda. Dies sind Spieler, deren Ansprüche an ein Instrument hoch sind und deren Entscheidungen echte Autorität besitzen — ihr Vertrauen in die Tokioter Werkstatt ist ein aussagekräftiger Indikator für die Qualität der Gitarren auf höchstem Konzertniveau.
Sakurai verbrachte fünfzehn Jahre damit, So Kimishima zu betreuen, der mütterlicherseits ein Enkelsohn von Masaru Kohno ist und inzwischen seine eigene Gitarrenlinie innerhalb derselben Werkstatt entwickelt hat. Kimishima erhielt 2021 Sakurais formelle Zustimmung zur Gründung seiner unabhängigen Linie — eine Geste, die sowohl persönliche Wertschätzung als auch einen bewussten Akt institutioneller Kontinuität darstellt. Die Werkstatt produziert weiterhin rund dreihundert Gitarren pro Jahr — eine Zahl, die sowohl das Ausmaß der internationalen Nachfrage als auch die bewusste Zurückhaltung widerspiegelt, die qualitätsvoller Instrumentenbau erfordert. Während andere Werkstatttraditionen in Japan und Europa zerfallen oder verblasst sind, bleibt die Linie von Kohno über Sakurai bis Kimishima intakt — eine der kohärentesten Dynastien im zeitgenössischen Klassikgitarrenbau.
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