Gerhard Oldiges – German Master of the Spanish Guitar Tradition

Gerhard Oldiges – Deutscher Meister der spanischen Gitarrentradition

Gerhard Oldiges – Deutscher Meister der spanischen Gitarrentradition

Unter den sorgfältigsten und historisch fundiertesten Gitarrenbauern Europas nimmt Gerhard J. Oldiges eine besondere Stellung ein: ein deutscher Handwerker, der seine gesamte Karriere der eingehenden Erforschung und lebendigen Fortsetzung der großen spanischen Gitarrenbautradition gewidmet hat. Von seiner Werkstatt in Marburg aus baut Oldiges Instrumente, die eine direkte Linie zu Antonio de Torres, Hermann Hauser und Manuel Ramírez ziehen — nicht als bloße Kopien, sondern als lebendige Interpretationen, geformt durch Jahrzehnte praktischer Forschung und persönlicher Förderung durch einige der bedeutendsten Gitarrenbauer der Gegenwart.

Vom Küchentisch zur Meisterwerkstatt

Oldiges begann Mitte der 1970er Jahre mit dem Gitarrenbau, zunächst auf einem Küchentisch und mit der autodidaktischen Neugier, die so viele der weltbesten Gitarrenbauer auszeichnet. Neben seiner wachsenden Leidenschaft für das Handwerk absolvierte er ein Universitätsstudium, bevor er von 1983 bis 1985 eine zweijährige Ausbildung zum Gitarrenbauer durchlief und damit das strukturierte technische Fundament für all seine späteren Arbeiten legte. Anschließend war er in der Reparaturabteilung eines spezialisierten Gitarrengeschäfts tätig — eine Erfahrung, die sein Verständnis dafür schärfte, wie sich Gitarren über die Zeit und unter den Händen ernsthafter Musiker verhalten. 1989 bestand er die Meisterprüfung und eröffnete seine eigene Werkstatt — der Moment, in dem Oldiges der Handwerker und Oldiges der selbstständige Gitarrenbauer zu einer Person wurden.

Dasselbe Jahr erwies sich in anderer Hinsicht als wegweisend. Kurz nach Erscheinen von José Romanillos' grundlegendem Werk über Antonio de Torres besuchte Oldiges 1988 dessen ersten Gitarrenbaukurs in Belgien. Die Begegnung war prägend. Oldiges und ein Teilnehmerkollege, Tobias Braun aus Wien, beschlossen, das Torres-Buch von José Luis Romanillos ins Deutsche zu übersetzen — ein Projekt, das seine Auseinandersetzung mit den historischen und theoretischen Grundlagen der spanischen Gitarre weiter vertiefte. Die Zusammenarbeit mit Romanillos endete nicht dort: 1996 und 1997 assistierte Oldiges bei dessen Gitarrenbaukursen in Córdoba, und ab 2001 wurde er zum regelmäßigen Assistenten bei Kursen in der Nähe von Romanillos' Heimatdorf Guijosa — eine Beziehung aus Mentorschaft und kollegialem Austausch, die sein Verhältnis zum Instrument nachhaltig geprägt hat.

Eine Philosophie der historischen Tradition

Oldiges gehört einer Schule des Gitarrenbaus an, die Geschichte nicht als Einschränkung, sondern als Ressource versteht. Sein primärer Baustil ist in den traditionellen Entwürfen der Vergangenheit verwurzelt — vor allem in jenen von Hermann Hauser und dem großen Spanier des 19. Jahrhunderts, Antonio de Torres — doch er arbeitet auch in der Manier von Vicente Arias, Manuel Ramírez und Santos Hernández. Jeder dieser Meister hat das zentrale Problem der klassischen Gitarre auf subtil andere Weise gelöst, und Oldiges hat Jahre damit verbracht, diese Unterschiede von innen zu verstehen: mit der Strenge eines Gelehrten und der Sensibilität eines Praktikers.

Dieser Ansatz hebt ihn vom Innovationstrend ab, der weite Teile des zeitgenössischen Gitarrenbaus prägt. Während viele moderne Baumeister Fächerstrebung, Doubletop- und Gitterkonstruktionen als Wege zu mehr Projektion und Lautstärke verfolgt haben, bleibt Oldiges dem Klangvokabular der traditionellen spanischen Gitarre verpflichtet: ein warmer, komplexer, organisch ansprechender Ton, der differenziertes Spiel belohnt. Seine bevorzugte Lacktechnik ist die Politur mit Schellack, die er sowohl klanglich als auch philosophisch für überlegen hält — eine Methode, die gut zur kleinen unabhängigen Werkstatt passt und die Decke frei schwingen lässt, wie es die alten Meister beabsichtigt hatten.

Er arbeitet mit einer Standardmensur von 650 mm, passt seine Instrumente bei Bedarf aber an einzelne Spieler an, denn er ist überzeugt, dass Spielbarkeit letztlich eine Frage der richtigen Einstellung und der eigenen Entwicklung des Musikers ist — keine festgelegte Spezifikation. Diese Aufmerksamkeit für den individuellen Musiker spiegelt eine umfassendere Haltung wider: Für Oldiges ist eine Gitarre kein Produkt, sondern ein Dialog zwischen Baumeister, Material und Spieler.

Handwerk, Lehre und Gemeinschaft

Oldiges hat seinen Beitrag nie auf die Gitarren beschränkt, die seinen Arbeitstisch verlassen. Seine Rolle als Assistent in den Romanillos-Meisterkursen stellte ihn in den Mittelpunkt einer lebendigen Tradition der Wissensübergabe — einer Tradition, die den zeitgenössischen Werkstattbetrieb mit einer Linie verbindet, die über Daniel Friederich und Robert Bouchet bis zu den Meistern des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Über seine Tätigkeit als Kursassistent hinaus hat er durch Workshops, Seminare und den informellen Austausch zwischen Handwerkern zur breiteren Gitarrenbaugemeinschaft beigetragen — jener Art von Austausch, der eine Tradition lebendig und erneuerungsfähig hält.

Seine Übersetzung des Romanillos-Torres-Buches ins Deutsche verdient besondere Erwähnung als Beitrag zur Wissenschaft ebenso wie zum Gitarrenbau. Indem er diesen grundlegenden Text deutschsprachigen Lesern zugänglich machte, trug Oldiges dazu bei, dass das dokumentarische Erbe der spanischen Gitarrentradition die Arbeit einer neuen Handwerkergeneration in Mitteleuropa befruchten konnte.

Die Instrumente

Gitarren von Gerhard Oldiges zeichnen sich durch außergewöhnliche Materialqualität, strukturelle Integrität und einen Klangcharakter aus, der direkt aus der Tradition spricht, der er sein Berufsleben gewidmet hat. Seine Hauser-Modelle sind insbesondere dafür bekannt, die Wärme und Tiefe der großen Münchner Schule mit einer Klarheit und gleichmäßigen Ansprache über das gesamte Griffbrett zu verbinden. Seine von Torres inspirierten Gitarren erfassen die Leichtigkeit und den singenden Diskantbereich, der Torres' Instrumente zum bestimmenden Archetypus der klassischen Gitarre gemacht hat. Beide Linien spiegeln keine akademische Nachahmung wider, sondern echtes Verständnis — den Unterschied zwischen einem Handwerker, der ein Instrument studiert hat, und einem, der es wirklich verinnerlicht hat.

Der Holzauswahl widmet Oldiges besondere Sorgfalt. Er unterhält Vorräte gut gelagerter Klangholzarten und ist sich der wachsenden Knappheit traditioneller Materialien bewusst — ein Aspekt, dem er mit dem gleichen langfristigen Denken begegnet, das seine gesamte Praxis kennzeichnet. Die Instrumente werden vollständig von Hand gefertigt, und die schellacklackierten Oberflächen seiner Gitarren besitzen eine Tiefe und Leuchtkraft, die sowohl sein technisches Können als auch seinen Respekt vor den ästhetischen Maßstäben der historischen Tradition widerspiegeln.

Sieh dir verfügbare Gerhard Oldiges-Gitarren → in der Siccas Guitars Kollektion an.

Alle Gitarrenbauer
  • Klassische Gitarren

    Die klassische Gitarre mit ihren weichen Nylonsaiten und ihrem charakteristischen Timbre ist zum Symbol der Kammermusik, der spanischen Tradition und des Konzertrepertoires geworden. Ihre moderne Form prägte Antonio de Torres im 19. Jahrhundert, indem er den Standard für Korpus, Fächerbeleistung und die 65-Zentimeter-Mensur setzte, die bis heute verwendet werden. Instrumente dieser Kategorie eröffnen eine reiche Palette von den feinen romantischen Miniaturen Tárregas bis zu den majestätischen Konzerten Rodrigos. Hier finden Sie Gitarren, die historische Kontinuität bewahren und zugleich zu neuen Interpretationen anregen.
    Explore all classical guitars
  • Gitarrenbauer: Vicente Carrillo
    Baujahr: 2026
    Decke: Cedar
    Boden und Zargen: Indian rosewood
    Deckenoberfläche: Nitrocellulose
    Korpusoberfläche: Nitrocellulose
    Gewicht (g): 1750
    Mechaniken: Der Jung
    Zustand: Very good
  • Gitarrenbauer: Francisco Barba
    Baujahr: 2025
    Bauart: Flamenco Guitars
    Decke: Spruce
    Boden und Zargen: Cypress
    Deckenoberfläche: French polish
    Korpusoberfläche: French polish
    Luftresonanz: F sharp / G
    Gewicht (g): 1445
    Mechaniken: Gotoh
    Zustand: Mint
  • Gitarrenbauer: Toby Rzepka
    Baujahr: 2024
    Bauart: Lattice
    Decke: Cedar
    Boden und Zargen: Indian rosewood
    Deckenoberfläche: French polish
    Korpusoberfläche: French polish
    Luftresonanz: G
    Gewicht (g): 1550
    Mechaniken: Gotoh
    Zustand: Excellent
  • Baujahr: 2026
    Decke: Spruce
    Boden und Zargen: Cherry
    Deckenoberfläche: French polish
    Korpusoberfläche: French polish
    Luftresonanz: F sharp / G
    Gewicht (g): 1590
    Mechaniken: Kris Barnett
    Zustand: New
  • Gitarrenbauer: Gary Southwell
    Baujahr: 2005
    Decke: Spruce
    Boden und Zargen: Flamed Maple
    Deckenoberfläche: French polish
    Korpusoberfläche: French polish
    Luftresonanz: G
    Gewicht (g): 1385
    Mechaniken: Rodgers
    Zustand: Very good
  • Gitarrenbauer: Michele Della Giustina
    Baujahr: 2026
    Bauart: Double-Top Gitarren
    Decke: Cedar
    Boden und Zargen: Madagascar rosewood
    Deckenoberfläche: French polish
    Korpusoberfläche: French polish
    Luftresonanz: F sharp / G
    Gewicht (g): 1570
    Mechaniken: Pagos
    Zustand: New

Bleibe auf dem Laufenden mit exklusiven Updates und Angeboten von Siccas Guitars.

Subscribe to our weekkly Siccas Guitars newsletter for immediate access to subscriber-exclusive discounts and early bird specials.