Chiara Frisio ist eine der faszinierendsten aufstrebenden Lautenmacherinnen Italiens — eine Mailänder Werkstattmeisterin, die die Strenge des historischen Instrumentenbaus mit der Wärme der traditionellen klassischen Gitarre vereint. Ausgebildet an einer der renommiertesten Lautenmacherschulen Europas und geprägt durch jahrelange praktische Lehrzeit, arbeitet Frisio in einem bemerkenswert breiten Spektrum: von fächerbespannten Konzertgitarren bis hin zu sechs-chörigen Renaissance-Lauten und seltenen Barockmandolinen. Ihre Instrumente stoßen bei anspruchsvollen Spielerinnen und Spielern auf wachsendes Interesse, und ihre klassischen Gitarren sind bei Siccas Guitars erhältlich, dem weltweit führenden Händler für klassische Gitarren.
Biografie & Ausbildung
Chiara Frisio wurde in Mailand geboren und wuchs dort in einem musikerfüllten Zuhause auf. Ihre Mutter unterrichtete Klavier am lokalen Konservatorium und gab Frisio früh eine selbstverständliche Nähe zur Musikwelt. Mit sechs Jahren begann sie Geige zu spielen und übte dieses Instrument mehrere Jahre lang, bevor sie sich der Gitarre und dem E-Bass zuwandte — Instrumenten, deren Körperlichkeit und taktile Unmittelbarkeit besser zu ihr passten.
Der entscheidende Wendepunkt kam während der Gymnasialzeit, als Frisio ihren eigenen E-Bass reparierte. Diese Begegnung mit dem Instrument von innen — seiner Struktur, seiner Stimme, seiner Verletzlichkeit — faszinierte sie vollkommen. Nach dem Schulabschluss schrieb sie sich in das vierjährige Lautenmacherprogramm der Civica Scuola di Liuteria di Milano ein, einer der angesehensten Einrichtungen dieser Art in Europa. Dort erwarb sie unter Lehrern wie Roberto de Miranda, Silvia Zanchi, Ivan Bruna und Bob van de Kerckhove sowohl das technische als auch das historische Rüstzeug für den Bau vieler Traditionen gezupfter Instrumente.
Ein prägendes Erlebnis war ihr drittes Ausbildungsjahr, in dem sie eine Kopie einer sechs-chörigen Mandoline des Mailänder Instrumentenbauers Giuseppe Presbler anfertigte. Dieses Projekt entzündete eine bleibende Leidenschaft für historische Mandolinenformen, die ihr gesamtes Schaffen bis heute begleitet.
Nach dem Abschluss als Maestro Liutaio arbeitete Frisio mehrere Jahre in der Werkstatt des angesehenen Mailänder Gitarrenbauers Lorenzo Lippi, wo sie ihr Können in der Embergher-Mandoline, der brescianischen Mandoline und der neapolitanischen Barockmanoline vertiefte. Zudem arbeitete sie mit Maestro Federico Gabrielli an frühen Mandolinenprojekten zusammen und erweiterte so ihre Beherrschung historischer Formen. Diese Zeit nach dem Abschluss formte sie von einer geschickten Studentin zu einer vollwertigen professionellen Lautenmacherin.
Konstruktionsphilosophie
Frísios klassische Gitarren werden nach traditionellen spanischen Baumethoden gefertigt, wobei sie sich hauptsächlich an der Arbeit von Hermann Hauser orientiert. Ihre Instrumente verfügen über eine sieben-strängige Fächerbeleistung und eine Stegverstärkungsplatte — eine Kombination, die den Gitarren ein Klangprofil verleiht, das als reich, warm und ausgewogen in allen Registern, voller Obertöne und ausdrucksstarker Tiefe beschrieben wird. Für Frisio ist das akustische Ergebnis untrennbar mit dem körperlichen Spielerlebnis verbunden: Sie achtet sorgfältig auf das Setup, die Halsmessungen und die Halsformung und stellt sicher, dass jedes Instrument nicht nur klangschön, sondern auch über eine ganze Karriere hinweg angenehm zu spielen ist.
Dieser doppelte Fokus — auf Klang und Spielerkörper — spiegelt das Verständnis der Gitarre als langfristige Begleiterin wider, nicht als statisches Objekt. Ihre Instrumente sind dafür gebaut, mit dem Musiker zu wachsen, der sie spielt, und werden mit der Zeit immer ansprechender und offenbarender. Wer verstehen möchte, wie unterschiedliche Beleistungssysteme den Klang einer klassischen Gitarre beeinflussen, findet nützlichen Kontext in der Übersicht über fächerbeleistete, Double-Top- und Lattice-Gitarren.
Über die Gitarre hinaus umfasst Frisios Baupraxtis Lauten und eine Vielzahl historischer Mandolinen. Ihre Renaissance-Lauten werden nach historischen Modellen gefertigt — darunter das acht-chörige Hieber-Muster — mit Fichtendecken, Zargen und Boden aus Flammenahorn sowie traditionellen Wachsoberflächen. Diese Instrumente stehen in einem jahrhundertealten Kontinuum der Mailänder Lautenmacherei, die bis zu den großen Meistern der frühen Neuzeit zurückreicht. Italien besitzt in diesem Bereich eine besonders herausragende Tradition, wie der Artikel über Italica und die Tradition der italienischen Meisterluthiers zeigt.
Besondere Modelle
Frisio nummeriert ihre klassischen Gitarren fortlaufend — jede ein handgefertigtes Einzelstück, kein Serienmodell. Ihre Konzertgitarren werden typischerweise mit einer Fichtendecke und Zargen sowie Boden aus indischem Palisander gebaut, in Schellack-Politur vollendet, mit einer Mensur von 650 mm und Gotoh-Mechaniken ausgestattet. Die Instrumente sind leicht — rund 1.550 bis 1.650 Gramm — eine Eigenschaft, die zu ihrer Ansprache und klanglichen Offenheit beiträgt. Jede Gitarre wird nach ihrer Corpus-Resonanzfrequenz eingestimmt und vermessen, ein Detail, das von Frisios präzisem und methodischem Umgang mit der Akustik zeugt.
Ihre Renaissance-Lauten — nach dem acht-chörigen Hieber-Modell gebaut — kombinieren Fichtendecken mit Flammenahorn-Zargen und werden in Wachs statt in Lack gefertigt, um die natürliche Resonanz der Decke zu erhalten. Mit rund 750 Gramm sind das zarte Instrumente, bei denen jede konstruktive Entscheidung von historischer Praxis und akustischer Sensibilität geleitet wird. Frisios Breite als Lautenmacherin — von Konzertgitarren über Lauten bis hin zu frühen Mandolinen — stellt sie in eine Tradition des vielseitigen italienischen Instrumentenbaus, die es lohnt zu verstehen. Die Arbeit anderer bedeutender italienischer Meister wird im Profil von Andrea und Giovanni Tacchi gewürdigt.
Bekannte Spieler
Als verhältnismäßig junge Lautenmacherin befindet sich Frisio noch im Aufbau jener Gemeinschaft von Spielerinnen und Spielern, die ihre Instrumente auf die Konzertbühne tragen. Ihre Gitarren wurden von professionellen und fortgeschrittenen Musikern erworben, die die Kombination aus klanglicher Wärme, Spielbarkeit und der Einzigartigkeit eines handgefertigten italienischen Instruments schätzen. Das wachsende Angebot ihrer Arbeiten bei Siccas Guitars hat ihre Instrumente einem weltweiten Publikum ernsthafter klassischer Gitarristen zugänglich gemacht. Die Frage, wie Konzertgitarristen ihre Instrumente auswählen und nutzen, wird ausführlich im Artikel über die Übungspraxis von Konzertgitarristen untersucht.
Vermächtnis
Chiara Frisio repräsentiert eine Generation italienischer Lautenmacher, die aus rigoroser formaler Ausbildung und tiefer Werkstattlehre heraus genuinen eigene künstlerische Stimmen entwickelt haben. Ihre Fähigkeit, sich flüssig zwischen der klassischen Gitarre und der Welt der historischen Instrumente zu bewegen — Hauser-inspirierte Konzertgitarren neben Renaissance-Lauten und Barockmanolinen zu bauen — verleiht ihrer Arbeit eine ungewöhnliche Breite und historische Bewusstheit. Ihre Mailänder Werkstatt, die nach Vereinbarung in der Via Vetta d'Italia geöffnet ist, bildet den Mittelpunkt einer Tätigkeit, die noch jung, aber bereits von ernsthaftem Anspruch und handwerklicher Raffinesse geprägt ist. Die großen Luthiers, die die klangliche Tradition der klassischen Gitarre geprägt haben — Persönlichkeiten, die in der Übersicht der klassischen Gitarrenbauer vorgestellt werden — liefern den größeren Kontext, in dem Frisios Werk seinen Platz findet.
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