Andreas und Solveig Kirschner gehören zu den angesehensten klassischen Gitarrenbauern, die heute in Deutschland arbeiten. Ihre Instrumente — insbesondere ihre gefeierten Doppeldecken-Gitarren — sind bei Konzertgitarristen weltweit begehrt, und die Warteliste für eine Kirschner-Gitarre soll sich auf vier Jahre oder mehr erstrecken. Was diese gemeinsame Werkstatt von Mann und Frau auszeichnet, ist nicht allein technische Meisterschaft, sondern eine seltene Einheit des Zwecks: Jede Entscheidung von der Holzauswahl bis zur abschließenden Politur folgt einem einzigen, unerschütterlichen Bekenntnis zum Klang des Instruments.
Biografie & Ausbildung
Andreas Kirschner wuchs in den handwerklichen Traditionen des deutschen Luthiertums auf und absolvierte seine Ausbildung im klassischen Gitarrenbau, bevor er seine eigene Werkstatt gründete. Die frühesten dokumentierten Instrumente aus der Kirschner-Werkstatt stammen aus der Zeit um 2011, obwohl Andreas seinen Ansatz schon Jahre zuvor entwickelt hatte. Überlieferungen zufolge arbeitete er zunächst in Landsberg, bevor die Werkstatt schließlich in Niedenstein Wurzeln schlug — einer kleinen Stadt im hessischen Bergland in der Mitte Deutschlands. Solveig Kirschner arbeitet als vollwertige Partnerin an der Seite von Andreas, und die Gitarren werden konsequent beiden Erbauern zugeschrieben — ein Spiegel der genuinen Zusammenarbeit, die ihr Handwerk prägt.
Die Kirschners verstehen sich bewusst als Teil der europäischen klassischen Gitarrentradition. Ihre Arbeit schöpft aus dem technischen Erbe der großen klassischen Gitarrenbauer, während sie gleichzeitig die akustische Forschung und die Materialinnovationen aufgreift, die das Instrument in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert haben. Diese Verbindung von Erbe und Erkundung ist entscheidend dafür, was eine Kirschner-Gitarre ausmacht.
Konstruktionsphilosophie
Das Erkennungszeichen einer Kirschner-Gitarre ist die Doppeldecken-Decke. Diese Bauweise — von einer Generation experimentierfreudiger europäischer Luthiere entwickelt und verfeinert — verwendet zwei ultra-dünne Holzschichten mit einem dazwischen liegenden Nomex-Wabenstrukturkern. Die so entstehende Decke ist leichter als eine herkömmliche Massivdecke und dennoch strukturell stabil; sie spricht auf die Berührung des Spielers mit außergewöhnlicher Unmittelbarkeit und Sensibilität an. Die vollständige Entwicklung dieses Ansatzes und sein Vergleich mit anderen Beleistungssystemen wird im Leitfaden zu Fächerbeleistung, Doppeldecken- und Lattice-Gitarren ausführlich beleuchtet.
Was die Kirschners innerhalb der Doppeldecken-Tradition auszeichnet, ist die Wahl von Fichte statt Zeder für die äußeren Lagen. Viele Erbauer, die mit Doppeldecken arbeiten, bevorzugen Zeder, die von Natur aus ein warmes, dunkles Klangbild erzeugt. Andreas Kirschner sieht die Fichte als Antwort für Spieler, die manche Doppeldecken als zu dunkel oder klanglich zu wenig komplex empfinden. Fichte bringt Helligkeit und Klarheit in den Klang — eine breite Palette an Klangfarben und vor allem eine Trennschärfe zwischen den Saiten, die es jeder Stimme in polyphonem Spiel erlaubt, mit eigener Identität zu sprechen. Das Ergebnis ist ein Instrument, das die Projektion und dynamische Ansprechbarkeit der Doppeldecken-Bauweise mit der Transparenz und Artikulation verbindet, die man sonst eher mit dem traditionellen spanischen Gitarrenbau assoziiert.
Für Boden und Zargen seiner Instrumente verwendet Kirschner gut gereiftes indisches Palisanderholz, das für seinen Beitrag zu klanglicher Wärme, Sustain und fokussierter Mitteltonprojektion geschätzt wird. Hälse bestehen typischerweise aus Zeder, Griffbretter aus Ebenholz, und als Finish wird Schellack-Politur verwendet — eine Wahl, die das Holz lebendig und atmend hält und dem Instrument eine Eleganz verleiht, die mit den feinsten Konzertgitarren mithalten kann. Der Reifung der Materialien wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt: Die Fichte des dokumentierten Modells von 2017 war fünfzehn oder mehr Jahre gelagert worden, bevor sie bearbeitet wurde. Diese geduldige Herangehensweise an die Materialvorbereitung ist ein Merkmal von Luthieren, die auf Dauer bauen.
Die enge Beziehung der Kirschners zu den Berufsgitarristen, die ihre Instrumente spielen, ist eine weitere Säule ihrer Werkstattphilosophie. Statt spekulativ zu bauen, arbeiten sie im Dialog mit Interpreten und verfeinern ihre Instrumente im Hinblick auf die realen Anforderungen des Konzertsaals. Dieser andauernde Austausch zwischen Erbauer und Spieler erinnert an eine Tradition, die von dem großen Daniel Friederich in Paris geprägt wurde, der berühmterweise eng mit den führenden Gitarristen seiner Zeit zusammenarbeitete.
Signatur-Modelle
Das Kirschner-Repertoire gliedert sich in zwei Hauptrichtungen. Die erste ist die Doppeldecken-Konzertgitarre — ihr Signatuminstrument, verfügbar in Mensuren von 63 bis 65 cm und gebaut mit der Fichte/Nomex/Fichte-Decke, für die sie bekannt sind. Diese Instrumente werden von Spielern, die sie in Händen hatten, durchgängig als außergewöhnlich laut für ihr Gewicht beschrieben, kombiniert mit einem raffinierten, nuancierten Klangbild. Die zweite Richtung ist die traditionelle Massivdecken-Gitarre, die nach konventionelleren strukturellen Prinzipien gebaut wird, dabei aber dieselbe Philosophie der Klangoptimierung und Materialqualität widerspiegelt. Beide Modelle werden vollständig in Niedenstein handgefertigt und in kleiner Stückzahl produziert — eine bewusste Wahl, die die Qualität der Aufmerksamkeit schützt, die jedes Instrument erhält.
Die Doppeldecken-Gitarren insbesondere haben bei Spielern und Händlern erhebliche Aufmerksamkeit erregt. Instrumente aus der Kirschner-Werkstatt sind bei führenden Spezialisten aufgetaucht und wurden von Spielern bewertet, die zurückkehren, sobald ein neues Instrument verfügbar wird. Der Doppeldecken-Gitarren-Leitfaden bietet nützlichen Kontext, um diese Instrumente im weiteren Markt einzuordnen.
Vermächtnis und Stellung
Die Kirschners nehmen eine besondere Stellung im zeitgenössischen deutschen Gitarrenbau ein. Deutschland blickt auf eine reiche Tradition des Instrumentenbaus zurück, und die Doppeldecken-Gitarre hat einige ihrer engagiertesten Praktiker unter deutschen Luthieren gefunden — die wegweisende Arbeit der mit den Doppeldecken-Gitarren-Pionieren verbundenen Erbauer bietet hier wichtigen Kontext. Innerhalb dieser Tradition haben die Kirschners eine sofort erkennbare Stimme entwickelt: der Fichte-Doppeldecken-Ansatz, die Betonung von Klangkomplexität und Saitentrennung, die geduldige Materialvorbereitung und der anhaltende Dialog mit Interpreten haben zusammen ein Werkkorpus hervorgebracht, das als eines der feinsten im zeitgenössischen Gitarrenbau gilt.
Eine vierjährige Warteliste ist selbst ein beredtes Maß für Reputation. Sie bedeutet, dass ein Musiker, der eine Kirschner-Gitarre in Auftrag gibt, eine langfristige Investition eingeht — in eine Beziehung mit den Erbauern, in die sorgfältige Vorbereitung von Materialien, die mit Blick auf sein Instrument ausgewählt wurden, und in die Aussicht auf ein Instrument, das auf die spezifischen Anforderungen seines Spiels abgestimmt ist. Dieses Produktionsmodell — langsam und bedächtig — steht im bewussten Gegensatz zur Ökonomie der Massenproduktion und stellt die Kirschner-Werkstatt in die Gesellschaft der großen Einzelluthiere, die stets den Maßstab für die klassische Gitarre gesetzt haben.
Die Arbeit von Andreas und Solveig Kirschner entwickelt sich mit jedem neuen Instrument weiter. Ihr Ruf, der ausschließlich auf der Qualität dessen basiert, was aus ihrer Niedensteiner Werkstatt hervorgeht, ist eines der überzeugendsten Argumente dafür, dass die Tradition des individuellen klassischen Gitarrenbaus lebendig, erfinderisch und unersetzlich bleibt.
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