Deutschlands großer Beitrag zur Klassikgitarre wird meist über Hermann Hauser erzählt. Doch es gibt einen zweiten deutschen Namen, den jeder Sammler kennen sollte: Richard Jacob, der seine Instrumente mit dem alten Familien-Handwerksnamen Weißgerber signierte. Er war, nach allgemeiner Auffassung, der erfindungsreichste und vielseitigste deutsche Gitarrenbauer des 20. Jahrhunderts.
In Markneukirchen ins Handwerk geboren
Jacob wurde am 11. Februar 1877 in Markneukirchen geboren, der sächsischen Stadt, die seit Jahrhunderten ein Zentrum des deutschen Instrumentenbaus ist. Er war der Sohn des Gitarrenbauers Karl August Jacob und wuchs umgeben von fein verzierten Instrumenten auf. Zunächst lernte er den Zitherbau, absolvierte dann von 1899 bis 1905 seine Gitarrenbau-Lehre bei Wilhelm Voigt und eröffnete 1905 seine eigene Werkstatt. 1921 ließ er die Marke „Weißgerber" eintragen — den Namen, unter dem seine Gitarren seither bekannt sind.
Die spanische Wende
Frühe Weißgerber-Gitarren folgten dem damals beliebten Wiener Stil. Dann kamen zwei Besuche, die alles veränderten: 1921 kam der große katalanische Virtuose Miguel Llobet in seine Werkstatt, und 1924 kehrte Llobet mit Andrés Segovia zurück. Deren spanische Instrumente — eine Torres und eine Manuel Ramírez — aus der Nähe zu sehen, richtete Jacobs Arbeit auf das spanische Ideal aus, und seine besten Gitarren verbinden fortan diesen Einfluss mit seiner eigenen rastlosen Fantasie.
Der vielseitigste Gitarrenbauer seines Jahrhunderts
Über fünfundfünfzig Jahre war Jacob erstaunlich produktiv und baute über 3.700 Instrumente — nicht nur Konzertgitarren, sondern Vihuelas, Barockgitarren, historische Lauten und sogar eine experimentelle Gitarre mit doppelter Decke. Er variierte ständig Modelle, Formen und Verzierung, sodass kaum zwei Weißgerber-Gitarren exakt gleich sind. Genau diese unerschöpfliche Erfindungsgabe macht sein Werk so sammelnswert.
Sein Vermächtnis
Weißgerber-Gitarren wurden von führenden deutschen Spielern wie Heinz Teuchert, Karl Scheit und Siegfried Behrend gespielt. Jacob arbeitete bis zuletzt und vollendete in seinem letzten Jahr mit 83 noch drei Gitarren. Er starb am 17. Juli 1960 in Markneukirchen; sein Sohn Martin führte die Werkstatt bis 1990 weiter.
Häufige Fragen
Wer war Richard Jacob „Weißgerber"?
Ein deutscher Meister (1877–1960) aus Markneukirchen, der seine Gitarren „Weißgerber" signierte und als erfindungsreichster deutscher Gitarrenbauer des 20. Jahrhunderts gilt.
Warum steht „Weißgerber" auf den Gitarren?
Es war der Familien-Handwerksname, den er 1921 als Marke eintragen ließ.
Was prägte seinen Stil?
Besuche von Miguel Llobet (1921) und Llobet mit Segovia (1924) wandten seine Arbeit dem spanischen Torres-Ideal zu.





