Jeder Gitarrist steht irgendwann vor der Frage: Soll ich Notenschrift lesen lernen, oder reicht Tabulatur (Tab)? Es ist eine echte und berechtigte Debatte — beide Systeme sind nützlich, und Millionen Gitarristen spielen glücklich allein mit Tab. Doch gerade für die Klassikgitarre fällt die Antwort klar in eine Richtung. So funktioniert jedes — und so entscheidest du.
Was Tabulatur ist
Tabulatur ist ein gitarrenspezifisches System, das dir zeigt, wohin du deine Finger setzt. Sie verwendet sechs Linien für die sechs Saiten, mit Zahlen, die angeben, welchen Bund du auf jeder Saite greifst. Ihr großer Vorzug ist die Unmittelbarkeit: Ein Anfänger kann Tab lesen und binnen Minuten eine Melodie spielen, ohne Musiktheorie. Tab ist wunderbar praktisch, um schnell Lieder, Riffs und Bearbeitungen zu lernen — darum dominiert sie die Pop- und Folkgitarre.
Was Notenschrift ist
Die Notenschrift ist die universelle Sprache der abendländischen Musik, geschrieben auf dem fünflinigen System. Statt dir zu sagen, wohin du die Finger setzt, sagt sie dir, was die Musik tatsächlich ist — die genaue Tonhöhe und, entscheidend, den Rhythmus und die Dauer jedes Tons, die Dynamik, die Phrasierung und die Struktur. Sie ist anfangs schwerer zu lernen, vermittelt aber weit mehr musikalische Information und wird von jedem klassischen Instrument geteilt.
Der entscheidende Unterschied: Rhythmus und Musikalität
Das ist der Kern. Tabulatur zeigt dir, welchen Bund du spielst, doch herkömmliche Tab ist beim Rhythmus oft schwach oder stumm — wie lange jeder Ton dauert und wie die Töne zeitlich zueinander stehen. Die Notenschrift gibt den Rhythmus präzise an, samt allen Ausdruckszeichen, die aus Tönen Musik machen. Mit anderen Worten: Tab sagt dir wo; Noten sagen dir was und wie. Für die polyphone, ausdrucksvolle Musik der Klassikgitarre ist dieser Unterschied enorm.
Warum Klassikspieler Noten lesen lernen
Nahezu das gesamte Klassikgitarrenrepertoire — Sor, Tárrega, Bach, Villa-Lobos, Brouwer — ist in Notenschrift geschrieben und veröffentlicht. Um dieses Repertoire zu erschließen, bei einem ernsthaften Lehrer zu studieren, Kammermusik mit anderen Instrumenten zu spielen und die Struktur des Gespielten zu verstehen, musst du Noten lesen. Noten zu lernen vertieft zudem deine Musikalität: Du beginnst, die Musik zu verstehen, nicht nur Fingerpositionen auszuführen. Für einen engagierten Klassikspieler ist Notenlesen nicht optional — es ist die Tür zur ganzen Tradition.
Was solltest du also lernen?
Ist dein Ziel die Klassikgitarre, lerne Noten lesen — die anfängliche Mühe lohnt sich um ein Vielfaches. Dabei sind die beiden Systeme keine Feinde: Viele Ausgaben drucken Noten und Tab gemeinsam, und Tab kann eine praktische Abkürzung sein, um einen heiklen Fingersatz herauszufinden oder schnell ein Stück zu lernen. Nutze Tab als Bequemlichkeit, wenn du magst, aber baue dein Fundament auf Noten. Anfänger stellen oft fest, dass ein paar Monate geduldiges Leseüben, täglich ein wenig, sich ein Leben lang auszahlt.
Häufige Fragen
Ist Tab schlecht?
Nein — Tab ist praktisch und weit verbreitet, besonders in der Popmusik. Ihre Hauptschwäche ist, dass herkömmliche Tab den Rhythmus schlecht vermittelt.
Nutzen Klassikgitarristen Tab?
Gelegentlich als Abkürzung, doch das klassische Repertoire ist in Noten geschrieben, daher lernen ernsthafte Spieler Noten lesen.
Was sollte ein Anfänger lernen?
Für Klassikgitarre die Notenschrift — sie erschließt das Repertoire und vertieft die Musikalität. Tab kann eine hilfreiche Ergänzung sein.
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