José Ramírez de Galarreta y Planell, der Begründer der Dynastie, wurde 1858 in Madrid geboren. Mit zwölf Jahren begann er eine Lehre in der Werkstatt seines Meisters Francisco González, dessen Gitarrengeschäft an der Carrera de San Jerónimo in Madrid lag.
Der Grundstein einer Tradition: Madrid, 1882
Zwischen 1880 und 1882 gründete José Ramírez I seine eigene Werkstatt im Madrider Rastro und begann damit seine selbstständige Laufbahn als Gitarrenbauer. 1890 zog er in die Calle Concepción Jerónima 2, wo seine Nachfahren das Handwerk bis 1995 fortführten. Heute liegt das Geschäft in der Calle de la Paz 8, ganz in der Nähe der ursprünglichen Räume.
Das Madrid des späten neunzehnten Jahrhunderts war fruchtbarer Boden für den Gitarrenbau. Die blühende Flamencokultur der Stadt, ihre Konzertsäle und ihre Rolle als Hauptstadt Spaniens sorgten für anhaltende Nachfrage nach guten Instrumenten. In dieses Umfeld hinein gründete José Ramírez I, was die beständigste Gitarrenbau-Dynastie der Geschichte werden sollte — ein Familienbetrieb, der inzwischen fünf Generationen und mehr als 140 Jahre ununterbrochener Produktion umspannt.
Lehrer, Meister und zentrale Gestalt der Madrider Schule
Nach seiner Selbstständigkeit wurde José Ramírez I zum Lehrer seines jüngeren Bruders Manuel Ramírez und später seines Sohnes José Ramírez II. Er bildete außerdem mehrere weitere Gitarrenbauer aus, darunter Antonio Viudes, Rafael Casana, Alfonso Benito, Antonio Gómez, Julián Gómez Ramírez und Enrique García. García eröffnete später eine eigene Werkstatt in Barcelona und wurde dort zum Lehrer von Francisco Simplicio.
Diese Kette der Weitergabe ist bemerkenswert: Über García und Simplicio reichte der Einfluss von José Ramírez I bis zu Gitarrenbauern, deren Arbeit bis heute geschätzt wird. Die Madrider Schule des Gitarrenbaus — verwurzelt im Erbe von Antonio de Torres — fand in José Ramírez I ihren prägendsten Meister im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert. Seine Werkstatt war nicht nur ein Produktionsbetrieb, sondern eine Akademie, die die nächste Generation spanischer Gitarrenbauer formte.
Die Brüder Ramírez
Das Verhältnis zwischen José Ramírez I und seinem Bruder Manuel Ramírez gehört zu den folgenreichsten der Gitarrengeschichte. José brachte Manuel das Handwerk bei, und Manuel wurde ebenso berühmt — er baute schließlich jenes Instrument, das dem jungen Andrés Segovia überlassen wurde, ein Ereignis, das den Klang der klassischen Gitarre im zwanzigsten Jahrhundert mitbestimmte. Die Werkstätten der beiden Brüder bestanden in Madrid eine Zeit lang nebeneinander und vertraten zwei Zweige derselben Tradition.
Die Guitarra de Tablao: eine Neuerung für den Flamenco
José Ramírez I wurde zur zentralen Gestalt der Madrider Schule und galt in der von Antonio de Torres begründeten Tradition als bedeutendster Meister seiner Zeit. Flamencogitarristen suchten seinen Rat, weil die damals verfügbaren Instrumente zu wenig Durchsetzungskraft hatten und in Tablaos und Gesangscafés kaum zu hören waren.
Auf diese praktische Nachfrage antwortete er mit der „Guitarra de Tablao" — einem Modell, das eigens darauf ausgelegt war, sich in der lauten, energiegeladenen Umgebung des Flamenco durchzusetzen. Das war keine kleine Verfeinerung, sondern eine durchdachte Neukonstruktion, die den akustischen Anforderungen des Flamenco als Bühnenkunst gerecht wurde. Die Guitarra de Tablao bildete die Grundlage für spätere Entwicklungen seines Bruders Manuel und trug schließlich zu den Prinzipien der modernen Flamencogitarre bei, die spätere Gitarrenbauer übernahmen.
Dieses Zusammentreffen von Bühnenbedarf und handwerklicher Erfindung kennzeichnet die Haltung der Ramírez insgesamt. Wer sich für den grundsätzlichen Unterschied zwischen Flamenco- und Konzertinstrumenten interessiert, findet in unserem Guide zu Westerngitarre und klassischer Gitarre die klanglichen und baulichen Unterschiede ausführlich erklärt. Du kannst auch unsere aktuelle Auswahl an Flamencogitarren ansehen, um zu erleben, wie diese Tradition heute weiterlebt.
Die Verbindung zu Barrios
Eine historische Besonderheit ist, dass eine Ramírez-Gitarre aus dem Besitz von Agustín Barrios, heute im Cabildo von Paraguay ausgestellt, nach derselben Plantilla gebaut wurde wie die Guitarra de Tablao. Barrios — einer der begabtesten und gefeiertsten Gitarristen und Komponisten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts — war dafür bekannt, auf Instrumenten von außergewöhnlicher Qualität zu spielen. Dass er eine Ramírez nach genau dieser Schablone besaß, unterstreicht sowohl die Reichweite des Einflusses von José Ramírez I als auch das Ansehen, das seine Instrumente bei den Künstlern der Zeit genossen.
Einen ausführlicheren Blick auf Barrios als Komponist und Gitarrist bietet unser Artikel über Agustín Barrios und die klassische Gitarre.
Die Dynastie nach José Ramírez I
José Ramírez I starb 1923, doch die von ihm gegründete Werkstatt arbeitete ununterbrochen weiter. Sein Sohn José Ramírez II übernahm den Betrieb, gefolgt von José Ramírez III, unter dessen Leitung die Werkstatt internationalen Rang erlangte und viele der größten Gitarristen des zwanzigsten Jahrhunderts mit Instrumenten versorgte. Fortgesetzt wurde die Dynastie von José Ramírez IV und anschließend von Amalia Ramírez, die den Betrieb ins einundzwanzigste Jahrhundert geführt hat.
Jede Generation hat die Gründungstradition erweitert und neu gedeutet, ohne sie aufzugeben. Die Adresse der Werkstatt hat gewechselt, Werkzeuge und Materialien haben sich verändert, aber die Verpflichtung auf handwerklichen Bau, klangliche Verfeinerung und die von José Ramírez I begründete Madrider Tradition bleibt das Kennzeichen des Hauses. Das aktuelle Angebot aus dieser Linie findest du in unserer José-Ramírez-Kollektion.
Historische Bedeutung
Wer José Ramírez I nur als Handwerker versteht, unterschätzt seine Rolle. Er war auch ein Vermittler von Wissen — ein Meister, dessen Werkstatt nicht nur Gitarren hervorbrachte, sondern weitere Meister. Das Netz der Gitarrenbauer, die direkt oder mittelbar bei ihm lernten, prägte den spanischen Gitarrenbau über Generationen. Seine Instrumente, seine Neuerungen für den Flamenco und sein Anteil daran, die Torres-Tradition zu bewahren und fortzuschreiben, stellen ihn unter die folgenreichsten Gestalten der Geschichte der klassischen Gitarre.
Für Spielerinnen, Spieler und Sammler, die Instrumente aus dieser Tradition suchen, gehört der Name Ramírez bis heute zu den vertrauenswürdigsten der Welt. Ob du das große Repertoire der klassischen Gitarre erkundest oder ein Instrument für deinen eigenen Weg suchst — die Gitarrenbauer hinter den Instrumenten zu kennen, bereichert jeden Zugang zu dieser Musik.





