Handwerk und Erbe
Seine professionelle Erfahrung schöpft aus der langen Tradition der Familie Carrillo, deren Geschichte bis ins Jahr 1744 zurückreicht. Als siebte Generation von Gitarrenbauern führt er dieses Erbe mit außergewöhnlicher Hingabe fort. Diese Überlieferung spielte eine entscheidende Rolle dabei, dass er 2009 den regionalen Handwerkspreis und 2010 den nationalen Preis erhielt.
Stil und Einflüsse
Sein Ansatz beim Gitarrenbau ist von mehreren Schulen geprägt, wobei die Madrider Schule den stärksten Einfluss auf die Verfeinerung seines Handwerks ausübt. Dieses Fundament hat seine fortlaufende Entwicklung geleitet und dabei eine eigenständige künstlerische Identität bewahrt.
Klangeigenschaften und Innovation
Seine Instrumente sind für ihren charakteristischen Klang bekannt, der durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kraftvollen Bässen und weichen, singenden Höhen definiert wird. Innovation ist ein kontinuierliches Element in seiner Arbeit, da er verschiedene Bautechniken einbindet, um den spezifischen Bedürfnissen professioneller Musiker gerecht zu werden.
Seine Gitarren wurden von renommierten Künstlern wie Paco de Lucía, Tomatito, J. M. Cañizares, El Niño Josele, Rafael Cañizares, Javier Limón, Keith Richards, Josemi Carmona (Ketama) und dem Duo Montes Kircher gespielt.
Die Tradition von Casasimarro
Die Gitarrenbautradition von Casasimarro, einem kleinen Ort in der Provinz Cuenca in Kastilien-La Mancha, lässt sich auf Alfonso Ancelmo Alarcón (geb. 1744) zurückverfolgen – einen Schullehrer, der das Handwerk in Granada erlernte und in seine Heimatstadt mitbrachte. Die Stadt wurde im 19. Jahrhundert als El pueblo de las guitarras (das Dorf der Gitarren) bekannt. Die Familie Carrillo ist seit dem 19. Jahrhundert Teil dieser Tradition, wobei Vicente die siebte oder achte Generation von Baumeistern in einer Linie repräsentiert, die seinen Urgroßvater Blas Carrillo Alarcón (1836–1919), seinen Großvater Vicente Carrillo López (1881–1962) und seinen Vater Vicente Carrillo Cantos (1926–1971) umfasst. Als sein Vater starb, hielt seine Mutter Gabriela – der später offiziell der Meisterhandwerkertitel verliehen wurde – die Werkstatt offen, bis Vicente alt genug war, sie zu übernehmen.
Carrillo vertiefte seine Ausbildung bei Meistern der Madrider Schule, darunter Ángel Benito Aguado und Handwerker der Ramírez-Werkstatt. Er bevorzugt den spanischen Begriff guitarrero gegenüber „Luthier" und erklärt, dass sich die Gitarre, wenn man aus einer langen Familientradition stammt, eher wie ein lebendes Wesen anfühlt als wie ein Produkt. Seine Instrumente wurden unter anderem von Paco de Lucía, Tomatito und Vicente Amigo gespielt. 2010 erhielt er Spaniens Nationalen Handwerkspreis.





