A Probably New Look at Hermann Hauser I and the Spanish Guitar

Ein vermutlich neuer Blick auf Hermann Hauser I und die spanische Gitarre

Im Jahr 2017 gelangte eine frühe Gitarre von Hermann Hauser I in die Werkstatt seines Enkels, Hermann Hauser III. Bereits knapp drei Jahrzehnte zuvor, im Jahr 1989, hatte HH III das Instrument sorgfältig restauriert. Gebaut im Jahr 1914, gilt diese Gitarre als so außergewöhnlich für ihre Zeit, dass eine genaue Untersuchung bemerkenswerte Erkenntnisse zutage förderte — Erkenntnisse, die die gängige Vorstellung davon, wann der deutsche Gitarrenbau die spanische Tradition aufgriff, grundlegend verschieben.

Hermann Hauser I (1882–1952) wurde in München geboren, zu einer Zeit, als der deutsche Gitarrenbau fest in alpinen und Wiener Traditionen verwurzelt war: Ahornkorpusse, Zither-beeinflusste Konstruktionen, und eine Klangwelt weit entfernt vom warmen, vollen Ton der spanischen Schule. Was das veränderte? Ein Konzert, ein Handschlag und eine außergewöhnliche Gitarre.

Die Begegnung, die alles veränderte: Miguel Llobet in München

Am 10. November 1913 gab der katalanische Gitarrist Miguel Llobet sein erstes Münchner Konzert. Er spielte auf einer Gitarre von Antonio de Torres aus dem Jahr 1859 — einem der bedeutendsten Instrumente in der Geschichte der klassischen Gitarre. Hermann Hauser I soll anwesend gewesen sein und Llobet bei dieser Gelegenheit eine seiner traditionellen Ahornholz-Gitarren überreicht haben.

Die Begegnung hinterließ Spuren. Vom 1. bis 3. März 1914 gastierte Llobet erneut in Deutschland — in Landshut, Nürnberg und wieder in München. Die Innenseite der Hauser-Gitarre von 1914 trägt angeblich die Inschrift „10. III. 1914". Hermann Hauser III stellt fest, dass die Innenseite der Decke traditionell kurz vor dem Schließen des Korpus signiert und datiert wurde — was darauf hindeutet, dass die Gitarre zwischen Llobets beiden Münchner Besuchen entstanden ist. Eine Phase intensiver schöpferischer Auseinandersetzung für Hauser.

Das ist weit mehr als eine historische Fußnote. Es ist der Beweis, dass Hauser I bereits ein volles Jahrzehnt früher begann, spanische Bauprinzipien zu erkunden, als die Gitarrengeschichte bislang annahm.

Eine Gitarre, die in der Hauser-Geschichte ihresgleichen sucht

Das Instrument von 1914 hebt sich von allem anderen ab, was Hauser in jener Zeit gebaut hatte. Seine Merkmale lesen sich wie eine bewusste Abkehr von der deutschen Tradition:

Konstruktion und Materialien

Die Gitarre hat einen dreiteiligen Boden. Die äußeren Flanken und die Zargen bestehen aus brasilianischem Palisander — ein Material, das im deutschen Gitarrenbau der Zeit als ungewöhnlich gilt und eher mit dem Zitherbau in Verbindung gebracht wird. Das Mittelteil besteht aus gewelltem Ahorn mit einem zentralen Palisanderstreifen, der optisch den Eindruck eines vierteiligen Bodens erzeugt.

Die Fichtendecke zeigt auf ihrer Innenseite bereits das, was als Hauser-Patent-Beleistung bezeichnet wird — obwohl HH I das Patent erst am 9. November 1920 formell anmeldete. Das bedeutet: Das Beleistungssystem, das später den Hauser-Klang definieren sollte, war bereits 1914 vorhanden, sechs Jahre vor der Patentanmeldung.

Form und Mensur

Die Plantilla — die Umrissform des Gitarrenkorpus — wird als spanisch beschrieben und steht in engem Bezug zu den Maßen der Torres-Gitarre FE 09 von 1859, also genau jenes Instruments, das Llobet in München gespielt hatte. Die Mensur von knapp unter 65 cm deutet ebenfalls auf dieses Vorbild hin. Das sind keine Annäherungen — sie legen nahe, dass Hauser die Torres-Gitarre mit erheblicher Genauigkeit studiert hatte.

Die spanische Brücke mit Flügeln in Dachkonstruktion ist einzigartig unter Hauser-Gitarren. Zargentiefe und gewölbter Boden verbinden sich mit traditionellen Methoden aus Hausers Wiener und Münchner Modellen — eine Brücke zwischen zwei Welten, buchstäblich wie im übertragenen Sinne.

Details und Handwerkskunst

Weiße Zelluloidränder an Boden und Decke gelten als Relikte des Zitherbaus — eine Spur der Tradition, von der sich Hauser gerade zu entfernen begann. Das Rosettenmuster aus mehreren Holzringen wird von HH III mit Josef Hauser in Verbindung gebracht. Die Mechaniken werden als hochwertig beschrieben, mit kräftigen schwarzen Rollen und einem Quick Tuner auf der ersten Saite. Ein ovales Loch in der Kopfplatte gilt als traditionelles Hauser-Detail. Der Hals — Mahagoni, angegleimt, mit flacher Rückseite — wird mit dem Begriff „Albert-Hals" in Verbindung gebracht, eine Referenz auf den Münchner Gitarristen Heinrich Albert.

Warum es ein Einzelstück blieb

Trotz ihrer außergewöhnlichen Qualitäten scheint die Gitarre von 1914 ein Einzelstück geblieben zu sein. Mehrere Gründe werden genannt: die Kosten und Knappheit von brasilianischem Palisander, die Erwartungen bestehender Kunden an Hausers etablierte Ahornmodelle, und die tiefe Erschütterung durch den Ersten Weltkrieg (1914–1918). Ein Gitarrenbauer, der in jenen Jahren in München arbeitete, war nicht in einer Lage, die radikale Experimente oder neue Materialquellen begünstigte.

Das Experiment wurde zurückgestellt — aber nicht vergessen.

Die spanische Wende: nach 1924

Mit dem wachsenden Erfolg von Llobet und später Andrés Segovia auf der internationalen Konzertbühne vollzog sich ein entscheidender Wandel in der deutschen Gitarrenwelt. Hauser I wandte sich nun vollständiger der iberischen Tradition zu, die mit Antonio de Torres und Manuel Ramírez verbunden ist. Die Gitarre von 1914 legt nahe, dass dies keine plötzliche Bekehrung war, sondern die Wiederaufnahme einer Erkundung, die er ein Jahrzehnt zuvor begonnen hatte.

Eine parallele Entwicklung vollzog sich in Markneukirchen: Richard Jacob „Weissgerber", dessen Arbeit als von Llobets Besuch im Jahr 1921 beeinflusst beschrieben wird, fertigte ein „kleines spanisches Modell" aus dem Jahr 1922, das sich heute in der Sammlung von Christof Hanusch in Berlin befindet. Die spanische Welle erreichte den deutschen Gitarrenbau von mehreren Seiten.

Segovia sollte schließlich eine Hauser spielen — die berühmte Gitarre von 1937, die er als die größte Gitarre unserer Zeit bezeichnete. Segovias Beziehung zu Hauser wurde zu einer der gefeiertsten Partnerschaften in der Geschichte des Instruments. Auch Julian Bream spielte auf Hauser-Instrumenten, angezogen von ihrer Kombination aus Kraft und Klarheit.

Der Hauser-Klang: Deutsche Präzision trifft spanische Seele

Was definiert eine Hermann-Hauser-Gitarre? Die Antwort liegt in jener Synthese, auf die das Instrument von 1914 bereits hindeutete. Hauser-Gitarren zeichnen sich durch eine Kombination aus kraftvollen, farbenreichen spanischen Qualitäten und einer silbrigen Klarheit aus — Eigenschaften, die sie für das Drama von Tárrega, die Architektur von Bach und die Erhabenheit großer Konzertwerke gleichermaßen geeignet machen.

Die Fächerbeleistung — von Torres abgeleitet, von Hauser verfeinert — verleiht diesen Gitarren ihre charakteristische Ansprache und klangliche Tiefe. Die Präzision des deutschen Handwerks sorgt für Konsistenz und Langlebigkeit. Das Ergebnis ist ein Instrument, das sich sowohl in der Intimität eines Übungsraums als auch unter den Projektionsanforderungen eines Konzertsaals zu Hause fühlt.

Wenn du klassische Gitarren auf höchstem Niveau erkundest, steht die Hauser-Linie für eines der bedeutendsten Kapitel der Lutheriegeschichte. Instrumente von Hermann Hauser I gehören zu den begehrtesten Vintage-Gitarren der Welt — Zeugnisse eines Moments, in dem zwei große Traditionen aufeinanderstießen und etwas völlig Neues hervorbrachten.

Klang, Spielbarkeit und Vermächtnis

Der Klang einer Hauser-Gitarre lässt sich nicht leicht in Spezifikationsformeln fassen. Spieler sprechen von Unmittelbarkeit — einer Direktheit des Ansprechverhaltens, die das Instrument wie eine Verlängerung der eigenen Absicht wirken lässt statt wie ein zu bedienendes Werkzeug. Die Klangpalette ist breit: von intimen Pianissimos mit Wärme und Detailreichtum bis zu Fortes, die einen Raum füllen, ohne hart zu klingen.

Die Gitarre von 1914 wird im Besonderen als „spanisch mit deutschen Elementen" beschrieben — eine Formulierung, die den hybriden Charakter von Hausers Leistung einfängt. Sie ist ein einzigartiges Klang- und Zeitdokument innerhalb der Geschichte des internationalen Gitarrenbaus. Ihr Vorhandensein belegt, dass Hermann Hauser I bereits 1914 spanische Konstruktionsprinzipien erforschte — und nicht erst ab 1924, wie bisweilen angenommen wird.

Wenn dich Instrumente mit dokumentierter historischer Bedeutung interessieren, bietet die Hauser-Tradition etwas Seltenes: eine Linie, in der jede Generation auf nachweisbaren Grundlagen aufgebaut hat und die Gitarren selbst die Belege ihrer Entstehung tragen.

Entdecke Gitarren aus dieser Tradition in unserer Sammlung klassischer Gitarren, oder lies mehr über die Luthiers und Gitarristen, die das Repertoire geprägt haben: Francisco Tárrega, Agustín Barrios und die großen klassischen Gitarristen, die diese Instrumente auf die Bühnen der Welt brachten.


Karlstein, 15. Juli 2018
Siegfried „Hogi" Hogenmüller
Originalartikel: hier lesen

Die Gitarre von 1914 ansehen: zum Instrument

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