Lucio Antonio Carbone
Lucio Antonio Carbone wurde 1959 in Mailand geboren und ist einer der angesehensten autodidaktischen Gitarrenbauer Italiens. Seine erste Gitarre baute er bereits 1976 als Teenager – rein aus Leidenschaft. In den frühen 1980er Jahren brach er sein Physikstudium ab, um sich vollständig seiner wahren Berufung zu widmen: dem Bau feiner Saiteninstrumente. 1983 etablierte er sich offiziell als Gitarrenbauer, und 1989, im Alter von dreißig Jahren, eröffnete er seine eigene Werkstatt mit angegliedertem kleinen Ladengeschäft in Mailand, in der Via Carlo Goldoni 77, wo er auch Gitarren, Saiten und Zubehör verkaufte.
In seinen frühen Berufsjahren fühlte sich Carbone besonders zur amerikanischen Tradition des Stahlsaiten-Gitarrenbaus hingezogen. Eine entscheidende Wende vollzog sich 1986, als er sich dem klassischen Gitarrenbau zuwandte – ein Handwerk, das den prägenden Schwerpunkt seiner Laufbahn bilden sollte. Im Laufe der Jahrzehnte zogen seine außergewöhnlichen Fähigkeiten die Aufmerksamkeit mehrerer namhafter Marken auf sich, die seiner Werkstatt ihren Kundenservice und ihre Reparaturarbeiten anvertrauten. Seine umfangreiche Erfahrung in der Restaurierung von Instrumenten des 19. und 20. Jahrhunderts hat ihm ein außergewöhnlich tiefes Wissen über historische Bauweisen, Materialien und Techniken vermittelt – Wissen, das er großzügig in Workshops, Kursen und Fachveröffentlichungen weitergibt. 2018 entschied sich Carbone, sich ausschließlich dem Gitarrenbau zu widmen.
Carbones Instrumente schöpfen ihre Hauptinspiration aus der traditionellen spanischen Schule eines Antonio de Torres und der deutschen Tradition Hermann Hausers, getragen von jener Eleganz der Stimme und jenem dynamischen Gleichgewicht, das diese legendären Meister auszeichnet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen seine exquisiten Repliken historischer Torres-Gitarren – insbesondere seine Nachbildungen von Torres-Instrumenten aus der zweiten Epoche, deren Genauigkeit in Farbe, Textur und Patina selbst geübte Augen kaum als neue Instrumente erkennen lässt. Carbone überträgt sogar subtile „falsche Risse" auf Boden und Zargen und fertigt Faksimiles der Originaletiketten an, kennzeichnet aber stets seinen Namen im Inneren der Gitarre und auf der Rückseite des Kopfes, um deutlich zu machen, dass es sich um Hommagen handelt, niemals um Plagiate.
Die Auswahl der Tonhölzer steht im Zentrum von Carbones Handwerk. Er arbeitet ausschließlich mit Hölzern, die mindestens zwanzig Jahre oder länger gelagert wurden, und veredelt seine Instrumente in klassischer Manier mit französischer Politur oder Schellack. Er hat zudem ein besonderes Modell mit dem Namen „La Italica" geschaffen, das er bei der Roma Guitar Expo 2023 vorstellte und das der italienischen Gitarrenbautradition jener Übergangszeit huldigt, in der Bauer wie Gallinotti, Giulietti und Mozzani spanische Elemente in ihr Schaffen einfließen ließen, ohne ihre unverkennbar italienische Ästhetik aufzugeben. Carbones Gitarren sind bekannt für ihre tiefen, geheimnisvollen Bässe, ihre brillanten Höhen, ihre Balance, ihr Sustain und ihre verfeinerte spanische Klangfarbe – ein wahrhaftiger Ausdruck der italienischen Begabung, Lyrik mit Kraft und Projektion zu verbinden.





