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Kosho

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Eine Akustikgitarre, eine Stimme, Charisma – mehr braucht es nicht, um sich wohltuend vom Einheitsbrei der Deutschland-sucht-den-Superstar-Ära abzugrenzen. Ein merkwürdig eigenständiger Mix aus hypnotischen Basslinien und rhythmischen Schlägen auf den Gitarrenkörper, melancholischen Melodien und euphorisch stimmenden Harmonien berührt die Sinne. Michael „Kosho“ Koschorreck macht die Liebe zur Musik hörbar. Ein Klangerlebnis für Freunde der akustischen Gitarrenmusik und zeitloser Songs, uneitel, unbeschwert und eigentlich unbezahlbar. Die aktuelle CD „All Sides Love“ beschallt das Thema Liebe aus verschiedenen Blickwinkeln, schier schwerelos wie ein bunter Schmetterling, magisch anziehend im Sound, berührend wie ein leidenschaftlicher Kuss. Produziert von Mathias Grosch und Kosho, wurde das neue Album im eigenen Studio von Koshos langjährigen Kollegen und Freunden eingespielt: Tommy Baldu (drums, percussion), Ulrich Barteit (Querflöte), Mario Garruccio (drums, percussion), Mathias Grosch (keyboards), Robbee Mariano (bass, voc) und Florian Sitzmann (keyboards). Gemischt von Markus Born in kleine audiowelt und gemastert von Chris Oz, erscheint das Album am 8. April bundesweit sowie in Österreich und der Schweiz auf dem Heidelberger Label blisstone und im Vertrieb von edel:kultur. Mother is bossa, father the blues.

Michael „Kosho“ Koschorreck, 1962 in Heilbronn/N. geboren, startete 1968 in seiner zweiten Heimatstadt Worms nach dem Vorbild der damals beliebten Kindersendung „Schlager für Schlappohren“ eine eigene Radioshow unter dem Titel „Oh happy day“ am heimischen Plattenteller. Koschorreck spielte regelmäßig ein Best Of der elterlichen Plattensammlung, die somit als prägendster Einfluss des werdenden Musikers gelten kann mit ihrem Mix aus Bossa Nova („Orfeo negro“), „American Folk Blues Festival“, Easy Listening (José Feliciano, Andy Williams), Soul („The 5th Dmension“), Psychedelic („In-A-Gadda-Da-Vida“), Jeronimo, Franz-Josef Degenhardt, Reinhard Mey und allem, was die „Beatles“ bis 1970 von sich zu geben bereit gewesen waren.

1972 schenkte Koschorrecks Grossmutter, selbst leidenschaftliche Musikerin, ihm die erste Gitarre. Es war nicht leicht, damals genug Mitspieler für eine Band zu finden. Mit 14 Jahren schliesslich konnte Koschorreck zusammen mt Freunden seine erste Band „Phoenix“ gründen und durchlief in kürzester Zeit fünf weitere Formationen verschiedener Stilrichtungen, für die er eigene Stücke unter der Schulbank notierte. Als Bassist im Alter von 16 Jahren erfreulicherweise in die Band seiner beiden bewunderten Gitarrenlehrer aufgenommen, verliess er „Last Exit“ jedoch wieder kurz darauf, um ein exklusives Angebot der afro-amerikanischen Band „Afrodisia“ anzunehmen.

Afrodisia 1978 spielte Koschorreck die Leadgitarre in dieser 10-köpfigen Funkband, die sich mit ihren eigenen Songs an Bands wie „Funkadelic“, „Maze“ und „Crusaders“ orientierte und sich fast ausschließlich aus GIs und zivilen Angehörigen der US Army rekrutierte. Der „way of life“ der in seiner Heimatstadt Worms sowie in Mannheim und Heidelberg stationierten Soldaten und Army-Kids war ein nicht immer ungefährlicher, aber nachhaltiger Einfluss auf das bisher recht behütet aufgewachsene Mittelstandskind. „Afrodisia“ verdankt er neben seinem Rufnamen Kosho auch eine immer noch wahrnehmbare aber nicht gänzlich ungebrochene Begeisterung für amerikanischen Funk, Blues und Jazz – und den Einstieg in eine Szene, deren Dunstkreis sich über Musiker und Produzenten wie Bill Summers und Jon Otis bis hin zur Souljazzlegende Les McCann zieht, mit welchem er später ebenfalls auf Tour gehen sollte. Die Arbeit mit den durchweg älteren und welterfahrenen Musikern dürfte zu dem Selbstvertrauen beigetragen haben, das er benötigte, um sich auf seine musikalische Findungsreise zu begeben. Diese Reise führte ihn kreuz und quer durch Europa, wo er u.a. mit „Gitanes“ auf südfranzösischen Straßen spielte, in der Schweiz in Band-WGS lebte und die Musik des brasilianischen Komponisten, Sänger und Gitarristen João Bosco kennenlernte, dessen Art Gitarre zu spielen und zu singen den seit seiner Kindheit vom „Orfeo Negro“-Fieber angesteckten Songwriter massgeblich beeinflusste.

Alles neu In den folgenden Jahren zum Studieren zurück in Deutschland wich das Interesse an glatt produzierter Pop- und Jazzmusik zunehmend der Freude an einer schrägen, kubistischen musikalischen Denke; »splitterndes Glas statt Samtvorhänge« war auch die Klangauffassung der Popformation Sanfte Liebe, die aus ehemaligen Mitgliedern von Guru Guru und zukünftigen Machern der Mardi Gras BB entstand. Koschorreck stieg ein für den ausgestiegenen Mannheimer Gitarrenguru Hans Reffert, adaptierte dessen Klangästhetik und erweiterte so seinen musikalischen Horizont um den Raum zwischen Kurt Weill und Einstürzende Neubauten. Sanfte Liebe bekamen ’88 und ’89 zwei begehrte deutsche Rockpreise, dennoch verließ Kosho wenig später die Band, um sich mehr der akustischen Gitarre und vor allem einem schon länger visionierten Solo-Programm zu widmen.

Alone – all one Bereits zu Beginn der 80er hatten immer mehr perkussive Elemente Einzug in sein eigenes Spiel gefunden, und er beschäftigte sich jetzt intensiver als je zuvor mit Songwriting und dem Spannungsfeld der Möglichkeiten zwischen hypnotischen Groove- und Soundwelten einerseits, beeinflusst u.a. von Brian Enos/David Byrnes „My life in the bush of ghosts“, und der orchestralen Tiefe, die dem bisher hauptsächlich E-Gitarre spielenden Musiker die traditonelle akustische Gitarre bot. Nach den genannten amerikanischen Groovemeistern, die den jungen Kosho schon als Teenager für ihre Projekte gefördert und aufgebaut hatten, war es nun Prof. Dieter Kreidler, ein Wegbereiter der klassischen Gitarre im Deutschland der 60er und 70er Jahre, der, ganz im Stile besten Mäzenatentums anstelle einer Plattenfirma dem mittlerweile in Mannheim beheimateten Gitarristen und Songwriter die Chance gab, sein ganz eigenes musikalisches Konzept zu verwirklichen. Das erste Album Snapshot Music Box von 1997 ist dieser klangliche Prototyp des eigenständigen Künstlers Kosho. Mit dem ungewöhnlich fetten und direkten Sound seiner spanischen Gitarre, seinem mal hingebungsvoll und samtig, mal spröden Gesang und unwiderstehlichen, in reizvolle Akkordfolgen gepackten Melodien bringt Kosho hier mit sparsamer Instrumentierung seine hypnotisch groovenden Songs zu maximaler Wirkung. Es folgen das wesentlich opulenter, erneut von Markus Born produzierte Tinggal (2002) und nun das aktuelle All Sides Love, das Kosho zusammen mit seinem langjährigen musikalischen Partner Mathias Grosch produziert hat. Die vielschichtigen, zum mehrfachen Hören einladenden Songs des Albums sind nicht zwingend autobiographisch, aber äußerst persönlicher Natur. So setzt sich Kosho in den Songs »Good To Be Alive« und »Sleep« mit dem Verlust seiner Schwester auseinander, die 2007 nach langer Krankheit starb. Trotzdem gleitet All Sides Love nicht ins Düstere, melancholisch Destruktive ab, sondern richtet den Blick auf das Leben, das gelebt werden will.

Söhne Mannheims und andere Lieblingsprojekte In den letzten 30 Jahren spielte Kosho auf rund 150 Tonträgern und Filmmusiken und ist seit mehr als 11 Jahren festes Mitglied der Söhne Mannheims, mit denen er für erfolgreiche Alben und ausserordentliche Live-Performance zahlreiche Auszeichnungen wie den „ECHO“ und „COMET“ erhielt. Seit 2003 ist er Dozent für Gitarre an der Popakademie Baden-Württemberg und gibt Workshops und Coachings, u.a. seit 2005 auch im Coachingteam des Popcamp des deutschen Musikrats, bei der Bandfactory Hannover, dem Gitarrenseminar Altheim/Österreich sowie bei Meisterkursen in Gießen, Hilden, Remscheid und Mikulov/Tschechien. Neben seiner bekannten Tätigkeit mit den Söhnen Mannheims, die in 2011 erneut europaweit die Livebühnen bespielen werden, stehen dieses Jahr auch Konzerte mit ausgewählten Lieblingsformationen auf dem Programm: sein Duo Classic meets soul mit dem Münchner Konzertgitarrenvirtuosen Augustin Wiedemann; als Sänger und elektrischer Gitarrist der Indie-Jazzgruppe Cobody; als Begleiter der brasilianischen Songwriterin Zelia Fonseca und in Formation mit dem neuen electrojazz-Projekt des Heidelberger Keyboarders Jo Bartmes.